Ein Buchscanner für zu Hause – Czur Aura Pro

Ein Buchscanner für zu Hause? Tut es nicht auch eine der vielen Scan Apps? Es kommt darauf an! Der Czur Aura Pro* ist ein spannendes Stück Hardware. Ich habe ihn seit einigen Wochen und damit ein komplettes Buch in weniger als 15 Minuten gescannt. Meine Erfahrungen

Die Ausgangslage: Wieso brauche ich das?

Ich scanne alles. Sofern ich das Dokument, Buch oder Paper nicht eh als PDF oder eBook habe. Ich könnte es mir auch gar nicht mehr anders vorstellen. Schließlich will ich ja danach suchen können, Stellen kopieren und überall damit arbeiten können. Von daher also eine klare Sache.

Allerdings muss man auch sagen, dass sich die Menge an zu digitalisierendem Papier bei mir eh in Grenzen hält. Am häufigsten noch sind es Briefe, die von Ämtern, Versicherungen oder wem auch immer verschickt werden. Ganz selten habe ich auch mal mit echten Büchern zu tun, wenn ich Literatur für meine Promotion suche. Die Regel ist aber, dass die gesuchten Texte als PDF vorliegen.

Man könnte also sagen, dass ich meinen digitalen Workflow schon ganz gut eingerichtet habe. Ich habe zwar fast jede Woche etwas gescannt, meist aber nicht viel mehr als einen oder zwei Briefe, nicht der Rede wert also. Ich benötigte daher auch keinen echten Scanner, entsprechende Apps haben es völlig getan. Da habe ich immer mal wieder neue ausprobiert, ohne dass sie sich wirklich etwas tun. Die Standardfunktionen können sie alle und auch die Scanqualität überzeugt. Dank AI kommen nun auch immer häufiger Features wie Kantenerkennung für automatische Scans hinzu. Selbst schief oder gewölbt aufgenommene Dokumente (z. B. Buchseiten) können so oft entzerrt werden. Hier auf dem Blog gibt es einen Gastartikel, in dem ein paar Apps zum mobilen Scannen verglichen werden. Ich habe zuletzt Prizmo genutzt und war sehr zufrieden. Davor war bei mir FineScanner im Einsatz. Auch dazu habe ich einen Artikel geschrieben.

Man könnte unter diesen Gesichtspunkten also berechtigt fragen, wieso ich mir doch einen Scanner gekauft habe? Wo ich doch offenkundig keinen brauche. Die Antwort ist eine Mischung aus einem neuen Anwendungsfall, dem Wunsch nach Zukunftssicherheit und, wie könnte es anders sein, Spieltrieb.

Ich fange mal hinten an: Natürlich freue ich mich, neue Technik oder Apps auszuprobieren. Ich glaube das ist auch einfach eine Grundvoraussetzung, um einen solchen Blog zu betreiben. Und der Aura Pro ist schon ein cooles Stück Technik, wie ich später noch zeigen werde. Außerdem ist er schön designed, was mir auch immer wichtig ist. Auch ein Grund, wieso ich mir nicht schon früher einen Scanner gekauft habe war, dass ich nicht einen weiteren schwarzen Klotz irgendwo herumstehen haben möchte. Der Aura Pro sieht aber wie eine gewöhnliche Schreibtischlampe aus und nimmt auch nur so viel Platz weg – Problem gelöst.

Das Thema Zukunftssicherheit lässt sich schnell abhaken: Ich denke nicht, dass ich mich in Zukunft um weniger Dinge kümmern muss und auch wenn die Digitalisierung irgendwann überall angekommen ist, wird es dennoch immer noch auf Papier Gedrucktes geben. Außerdem arbeite ich in der Wissenschaft und bewege mich als Politikwissenschaftler bzw. Soziologe in einer Disziplin, die auch auf Gedanken, Ideen und Argumente zurückgreift, die Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte oder Jahrtausende alt sind. In anderen Worten: Mir kommt hier und da ein echtes Buch unter und das zu digitalisieren, macht mit einer Handy-App so gar keinen Spaß.

Und damit bin ich auch schon beim dritten Punkt: Ich habe vor, mehr meiner physischen Bücher zu digitalisieren. Schlicht, um einfacher beim Schreiben auf sie zugreifen zu können und durch die Volltextsuche Querverweise zu finden, die mir sonst verborgen blieben. Stein des Anstoßes war dieser Artikel in der NZZ, in dem der Autor seinen äußerst rabiaten, wenngleich durchaus inspirierenden Umgang mit Büchern darlegt. Die Inspiration, den Czur Aura Pro* zu kaufen und nicht irgendein anderes Modell habe ich im übrigen auch direkt aus dem Artikel gezogen. Mir war vorher einfach nicht bewusst, dass diese Art Scanner existieren.

Was, außer einem interessanten Artikel, hat mich aber noch überzeugt, auf den Aura Pro umzusteigen? Und bewährt er sich im Alltag?

Schönes Design, hochwertige Verarbeitung

In Sachen Hardware-Qualität kann ich nicht meckern. Im Gegenteil: der Aura Pro ist zwar aus Plastik, wirkt aber hochwertig und elegant. Die Grundüberlegung ist, dass Scanner und Lampe in einem Gerät integriert sind, sodass man nur ein Gerät auf dem Schreibtisch stehen hat. Das war mir persönlich enorm wichtig, da ich einfach nicht den Platz habe, um neben iMac, Tablet und Lampe noch etwas auf meinem Schreibtisch unterzubringen. Der Aura Pro umgeht dieses Problem und integriert sich auch vom Stil her wunderbar in mein Set-Up.

Schon bei der Anlieferung merkt man, dass sich der Hersteller Gedanken gemacht hat. Die Verpackung wirkt edel und die gesamte Präsentation sprach mich direkt an.

Der Scanner an sich besteht aus zwei Teilen. Zum einen das große Hauptteil, das sich auch zusammenklappen lässt für einen einfacheren Transport. Im Standfuß findet man drei Indikatoren für Stromversorgung, Lampe und Scanner. Auf der rechten Seite ist noch ein Dreh-Klick-Rad mit dem sich die Lampe einschalten lässt, die Lichtstärke reguliert und in den Scanner-Modus umgeschaltet werden kann. Die Lichttemperatur lässt sich aber nicht direkt am Scanner verändern, hierfür ist die App nötig, zu der ich weiter unten noch etwas sage.

Das Umschalten zwischen den beiden Modi Lampe und Scannen geschieht einfach durch einen Klick auf das Rad. Geht man in Scanner-Modus, wird neben der Lampe noch die integrierte Kamera aktiviert und damit auch der kleine Vorschaubildschirm, der in die Oberseite vom Scan-Arm integriert ist. Diesen benutze ich aber nur selten, da ja in der Scan-App auf meinem Rechner auch eine Vorschau in Echtzeit angezeigt wird.

Zum anderen gibt es noch Seitenlichter, die von hinten an den Standarm geklickt werden und so auch mit der Stromversorgung verbunden sind. Diese kommen zum Einsatz, wenn man es mit stark reflektierendem Material zu tun hat, z. B. Hochglanzmagazinen.

Alles in allem überzeugt mich die Hardware sehr. Der Aura Pro sieht elegant aus und auch wenn er aus Plastik ist, wirkt er nicht billig. Die eingebauten Lichter und die Kamera wirken hochwertig und auch wenn das Licht noch einen Tick heller sein dürfte, ist es absolut ausreichend.

Durchdachtes Zubehör mit Mehrwert

In der Verpackung findet sich dann neben Anleitungen und natürlich dem Scanner selbst durchaus nützliches Zubehör: eine schwarze Matte, die als Scan-Unterlage dient, ein Fußpedal und zwei – mir fällt kein besseres Wort ein – Seitenhalter. Das Fußpedal ist extrem nützlich. Man schließt es einfach an den Aura Pro an und kann dann Scans mit einem kurzen Fußtippen starten. Gerade, wenn man ein ganzes Buch scannen möchte und die Hände damit beschäftigt sind, die Seiten festzuhalten und umzublättern, ist es enorm erleichternd, wenn man den eigentlichen Scan-Prozess einfach mit dem Fuß starten kann.

Stromkabel mit Steckeradaptern, USB-Kabel, Fußpedal und Seitenhalter

Zuletzt noch ein Wort zu den Seitenhaltern. Ich finde das verdammt clever: Man schlüpft einfach mit dem Zeigefinger durch und kann dann die Buchseiten unten halten, sodass sie sich nicht wölben und den Scan verzerren. Aber sieht man die dann nicht auf dem Scan? An dieser Stelle kommt ein spezieller Modus in der Scan-Software vom Aura Pro ins Spiel. Der Clou ist nämlich, dass beide Seitenhalter einen Sticker auf der Oberseite mit einem Schwarz-Weiß-Muster haben, welches vom Scanner erkannt wird. So weiß er, wo die Halter sind und rechnet sie aus dem digitalen Bild heraus. Großartig!

Die Unterlegmatte

Scannen mit dem Aura Pro

Jetzt aber zur Kerndisziplin: Scannen. Und was soll ich sagen? Es funktioniert fantastisch. Zumindest auf meinen Anwendungsfall bezogen, sprich das Scannen von Dokumenten und Büchern in Schwarz-Weiß oder Graustufen. Nachdem ich zunächst nur ein paar einzelne Dokumente gescannt hatte, ging ich am vergangenen Wochenende in die Vollen und nahm mir das Buch Das Unbehagen der Geschlechter von Judith Butler vor. Ich wollte es schon lange mal komplett lesen, konnte aber keine eBook-Version finden, weshalb ich einfach die normale Suhrkamp-Ausgabe bestellte. Inklusive der Anmerkungen umfasst das Buch 236 Seiten und hat damit die perfekte Länge für einen echten Test.

Ich machte mich ans Werk, positionierte das Buch unter dem Scanner und öffnete die Aura Pro-App. Dort sieht man dann zunächst mal nicht viel, außer viel Weiß und den Hinweis Kein Vorschaubild. Rechts unten findet sich aber der Button Scannen mit dem die App in Scan-Modus geht. Im Scan-Modus gibt es dann sieben Farbmodi und vier Verarbeitungsmodi.

Bei den Farben hat man Auto-Verbesserung, Farbe, Schwarz-Weiß, Graustufen, Stempel, Muster und Kein Filter zur Auswahl, ich nehme meist Schwarz-Weiß, weil da die Lesbarkeit in der Regel am besten ist.

Interessanter finde ich die Verarbeitungsmodi. Der erste ist Glattes Papier, das sich natürlich am besten für einfache Dokumente eignet. Die Kamera erkennt dabei automatisch die Blattkanten, was durch die schwarze Unterlegmatte noch mal deutlich unterstützt wird. Für mein Buch-Experiment habe ich aber die zweite Möglichkeit Gebogenes Buch genutzt. In diesem Modus kann man auch die Seitenhalter nutzen. Im Vorschaubild wird dann eine Mittellinie eingeblendet, an der man das Buch ausrichten soll. Ich habe also das Buch mittig unter die Kamera gelegt und die linke Seite mit einem der Seitenhalter fixiert. Ein kleiner Klick aufs Fußpedal und schon wurde die Doppelseite gescannt. In den Optionen dieses Modus lässt sich wählen, ob die Doppelseite als Doppelseite erhalten werden soll, oder ob aus einer Doppel- zwei Einzelseiten werden sollen. Ich habe die zweite Option gewählt und bin vom ganzen Ablauf sehr überzeugt. Die Scanqualität ist top, die Seitenhalter wurden auf jeder Seite perfekt rausgerechnet und ich war in der Lage, das komplette Buch in weniger als 15 Minuten zu scannen.

Viele Optionen für die Verarbeitung – aber nicht gerade intuitiv

Ein bisschen seltsam oder zumindest nicht intuitiv wird es dann beim Workflow danach. Ist man fertig mit dem Scannen muss man nämlich auf den kleinen Zurück-Button klicken, um wieder zum Anfangsscreen zu kommen. In der rechten Spalte findet sich dann eine Übersicht aller gescannter Seiten, die man nun nachbearbeiten kann, auch wenn man dafür zunächst mal alle Seiten auswählen muss. Das wäre auch meine größte Kritik: Die App ist nicht gerade sehr durchdacht, oft muss man einen oder auch zwei Klicks mehr machen, als eigentlich nötig wäre.

Wichtiger als diese Mängel in der Bedienbarkeit sind aber die Möglichkeiten zur Nachbearbeitung und die sind umfangreich. Es lassen sich Teilbereiche auswählen, der Scan weiter zuschneiden und es können Seiten gedreht werden. Außerdem lassen sich Parameter wie Kontrast oder Bildschärfe anpassen und der Farbmodus ändern. Da dürften wenig Wünsche offen bleiben.

Eine sehr basale Funktion taucht aber nicht auf: das Neuanordnen von Seiten. Um das zu tun, muss man zunächst in den Export-Modus gehen. Gescannte Dokumente lassen sich als Word, Excel, PDF mit OCR, PDF ohne OCR und TIFF exportieren. Und in diesem Exportdialog lässt sich auch ein Fenster anzeigen, in dem sich die Seiten verschieben lassen, wenn man mal aus Versehen eine Seite an der falschen Stelle gescannt hat. Wieder ein Punkt, an dem die App Verbesserungspotenzial hat.

Für die Texterkennung (OCR) kann man sich dann nicht vor Sprachen retten. Deutsch ist voreingestellt, aber neben anderen großen Sprachen wie Englisch, Spanisch, Französisch oder Chinesisch finden sich auch diverse andere kleine Sprachen. Wie dort die Qualität ist, kann ich naturgemäß nicht beurteilen, für Deutsch und Englisch ist sie aber top.

Und auch mit dem Verarbeitungsalgorithmus bin ich sehr zufrieden. Zunächst mal hat der OCR-Prozess nur zwei oder drei Minuten benötigt, was bei über 200 Seiten toll ist. Und dann umfasst das fertige PDF auch nur 6,5 MB – bei hoher PDF-Qualität.

Alles in allem bin ich also super zufrieden mit der Kern-Kompetenz des Aura Pro.

Die Begleiter-App

Ein Wort zur Begleitung-App: Sie ist recht minimalistisch, aber durchaus praktisch. Leider zeigt sich auch hier das Problem, das ich schon für die Desktop-App beschrieb. Sie ist ein wenig umständlich aufgebaut. Im Grunde hat sie drei Funktionen. Man kann den Aura Pro damit an- und ausschalten, die Lichtstärke regulieren sowie zwischen vier Lichtmodi wählen: Natural Light, Reading/Writing, Computer/Phone und Smart Night Light. Der letzte Modus soll auf die Lautstärke von Umgebungsgeräuschen reagieren, sodass das Licht heller wird, wenn man in der Nacht wach wird, um z. B. auf Toilette zu gehen oder um sich um ein weinendes Kind zu kümmern.

Die Begleit-App ist okay – mehr aber auch nicht

Die Kommunikation zwischen Aura Pro und App ist dabei sehr spannend gelöst. Die App spielt eine kurze Sound-Signatur ab und der Aura Pro nimmt diese auf und führt den entsprechenden Befehl aus. Es ist also keine Verbindung mit dem heimischen WLAN nötig. So eine Funktionalität habe ich noch nie gesehen und wenngleich der Mehrwert überschaubar bleibt, ist sie mindestens mal sehr innovativ. Und es funktioniert auch ganz hervorragend, nur beim Einschalten waren meine Tests überwiegend negativ. Dabei sollte eigentlich auch einschalten über die App gehen, wieso sollte man sonst einen Button in der App dafür anlegen? Und ganz selten HAT es auch funktioniert – aber eher nur so ein in zehnmal. Ansonsten macht die App aber was sie soll.

Fazit: Sind Scan Apps jetzt überflüssig?

Sind Scan Apps für mich jetzt also überflüssig? Natürlich nicht. Der Czur Aura Pro ist zweifelsohne ein super Produkt. Er vereint ein schönes Design mit einem leistungsstarken (Buch-)Scanner und einer Schreibtischlampe. Genau das, was ich suchte. Vor allem, da es mir um Schwarz-Weiß-Scans von Dokumenten und Büchern geht. Zu Farb-Scans kann ich wenig sagen, Rezensionen auf Amazon deuten aber darauf hin, dass es hier Probleme gibt. Wer also einen Foto-Scanner oder ähnliches sucht, muss noch mal genauer hinschauen. Gerade für Wissenschaftler*innen und andere Personen, die mit vielen Büchern zu tun haben, kann der Aura Pro aber das Puzzleteil sein, das aus einem größtenteils digitalen einen vollständig digitalen Workflow macht.

Die diversen Scan-Apps, die es so gibt, haben natürlich dennoch ihre Berechtigung. Sei es für schnelle Scans weniger Seiten oder eine noch einfachere Integration in bestehende Workflows. Und natürlich spielt hier auch der Preis eine Rolle, zu dem ich bisher noch gar nichts gesagt habe. Aktuell (Juli 2020) kostet der Aura Pro bei Amazon* 329 €. Als ich ihn kaufte, hatte ich großes Glück und erwischte ein Blitzangebot, sodass sich der Preis deutlich auf 205 € reduzierte. Ob und wenn ja wann es aber wieder so ein Angebot gibt, kann ich natürlich nicht sagen. Recherchen beim Amazon-Preistracker CamelCamelCamel legen aber nahe, dass eher nicht damit zu rechnen ist. Das Blitzangebot von meinem Kauf ist dort nicht einmal erfasst.

Ist der Aura Pro also 329 € wert? Ja – wenn man den entsprechenden Anwendungsfall hat. Um nur ein paar Briefe zu digitalisieren, kann man ruhigen Gewissens bei der Scan-App des Vertrauens bleiben. Wer sich aber schon immer einen Buchscanner für zu Hause gesucht hat, kann mit dem Aura Pro glücklich werden. Ich bin’s auf jeden Fall.


Czur hat mir dieses Produkt nicht gestellt, ich habe es selbst gekauft. Der Test ist also komplett unabhängig. Da ich aber denke, dass es ein gutes Produkt ist, habe ich Affiliate-Links gesetzt. Alle Links, die mit einem Stern * gekennzeichnet sind, sind Affiliate-Links. Bei einem Kauf profitiere ich durch eine kleine Provision, ohne dass das Produkt für euch teurer wird. Somit ist es eine wunderbare Möglichkeit, meine Arbeit zu unterstützen.

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