Papierlose Mitschriften! Aber wie? (Update April 2020)

Eine der wichtigsten Fragen, die sich für ein papierloses Studium stellen, ist die nach den Mitschriften. Welche Lösung für Vorlesungen und Seminare am meisten Sinn machen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Disclaimer: Ich habe diesen Artikel zum ersten Mal im Mai 2018 geschrieben. Da die Tech-Branche sehr schnelllebig ist, tut sich in über einem Jahr natürlich viel. Deshalb werde meine Empfehlungen auch immer wieder updaten. Momentan ist der Beitrag vom Stand April 2020.

Die naheliegende Lösung: Laptop

Die meisten werden für ihre digitalen Mitschriften wohl schlicht auf einen Laptop zurückgreifen. Blickt man einmal in einen beliebigen Hörsaal, so sieht man dort viele, viele MacBooks (im Normalfall MacBook Airs), ergänzt durch das ein oder andere Samsung-Gerät, seltener Lenovos oder anderes.

Das macht auch durchaus Sinn, sind doch die Meisten nach wie vor auf Laptops gepolt, da Tablets ja „keine richtigen“ Computer seien. Beim Thema Mitschriften verhält es sich aber genau umgekehrt. Man kann zwar bei entsprechender Übung sehr schnell mitschreiben, beim Annotieren von Folien wird es aber direkt problematisch. Möchte man dann eventuell mal noch eine Grafik oder ein Diagramm hinzufügen, ist man schnell aufgeschmissen. Eh man solche Elemente mit Maus und Tastatur nachgebaut hat, ist der oder die Professor*in längst beim nächsten Thema.

Einschränkend möchte ich aber eines sagen: Wenn die Entscheidung lautet Laptop oder Tablet, würde ich nach wie vor zum Laptop greifen. Es gibt sicher Fälle, in denen man auch nur mit einem Tablet auskommen würde. In der Regel ist aber ein klassischer Laptop nach wie vor die universalere Lösung und wer sich für eines entscheiden muss, sollte wohl eher die Lösung bevorzugen, mit der alles zumindest machbar ist. Die folgenden Abschnitte richten sich also an alle, die entweder eh noch einen Rechner daheim haben, oder zumindest irgendwie noch Zugriff auf einen klassischen Rechner haben, wenn sie es benötigen. Jetzt aber zurück zur Frage der digitalen Mitschriften!

Die bessere Lösung: Tablet mit Tastatur und Stift

Beim Thema Diagramme/Grafiken/Zeichnungen, zeigt sich, dass früher eben doch nicht alles schlechter war. Mit etwas Übung bekommt fast jede*r ein brauchbares Diagramm in kürzester Zeit aufs Papier.

Um auch papierlos in dieser Hinsicht effektiv zu sein, empfehle ich deshalb eine Kombination aus Tablet, Tastatur und entsprechendem Eingabestift. Dieses Trio verbindet alle Vorteile: Mit einer (Bluetooth-)Tastatur kann man genauso schnell mitschreiben, wie mit einer Laptop-Tastatur. Der Stift ermöglicht Zeichnen oder auch das direkte handschriftliche Mitschreiben und dazu ist alles direkt digital, wie es sein soll.

Natürlich kann man auch beispielsweise GoodNotes nutzen, um direkt die Folien der Vorlesung zu annotieren. Wie das am besten geht, habe ich hier beschrieben.

Der Königsweg (Stand: April 2020): iPad Air (549€)

Ich sehe zu Beginn eine Grundsatzentscheidung: Apple oder Microsoft? Auf dem Tablet-Markt dominiert Apple mit seinen iPads den Markt deutlich. Dieser Umstand geht nicht (nur) auf gutes Marketing zurück, sondern in erster Linie auf top Qualität, die – man glaubt es kaum – mit einem ziemlich guten Preis-Leistungsverhältnis einher. Dazu später mehr. Grundsätzlich weisen iPads eine sehr gute Verarbeitungsqualität auf, haben sehr brauchbare Apps direkt an Bord, werden über viele Jahre mit Software-Updates unterstützt und profitieren von der Integration von Hard- und Software. Das resultiert auch in einem hohen Wiederverkaufswert, was man nicht vergessen sollte. So kann man oft auch noch nach Jahren intensiver Nutzung, beachtliche Summen beim Weiterverkauf erzielen. Ein Blick auf ebay zeigt das gut und sollte berücksichtigt werden, wenn der Anschaffungspreis zunächst mal recht hoch wirkt.

Hauptkonkurrent ist für mich Microsoft mit seiner Surface-Reihe. Auch Surface Tablets sind qualitativ hochwertig und haben den Vorteil, „echtes“ Windows laufen zu haben, was sicherlich ein Pluspunkt ist, wenn man zuhause noch einen weiteren Windows-Rechner zu stehen hat. Allerdings bietet Microsoft im günstigeren Bereich (<800€) ziemlich wenig an.

Was ist nun also meine aktuelle Empfehlung? Die Antwort ist etwas differenziert. Apple hat aktuell vier Modelle im Angebot: das iPad ohne Namenszusatz (7. Generation, in der Folge iPad 7 Gen.) mit einem 10,2 Zoll großen Display, das iPad Air (3. Generation und 10,5 Zoll), das iPad Mini (5. Generation, 7,9 Zoll) und das iPad Pro (4. Generation, 11 oder 12,9 Zoll). Die ersten drei unterstützen den Apple Pencil der ersten Generation, das Pro auch den neuen Pencil. Somit sind sie zum digitalen Mitschreiben perfekt geeignet. Der wichtigste Unterschied ist die Größe. Hier muss man wissen (oder am besten im Geschäft ausprobieren), welche Display-Größe man bevorzugt. Das normale iPad und das iPad Air sind hier am ehesten in der üblichen iPad-Größe. Wer ein großes Gerät möchte bei dem es auch möglich ist, entspannt zwei Dokumente gleichzeitig anzeigen zu lassen, muss zum Pro greifen. Am anderen Ende des Kontinuums steht das Mini, welches eher ein digitaler Notizblock ist, aber evtl. gerade deshalb interessant sein kann.

In Sachen Performance hat man bei allen Versionen mehr als genügend Spielraum. Am ehesten fällt hier noch das iPad 7 Gen. ab, da dieses nur den A10-Chip hat, die anderen mindestens den A12 Bionic Prozessor. Der A10 ist mittlerweile 4 Jahre alt, was aber dadurch abgefedert wird, dass Apples mobile Chips industrieweit führend sind. Dennoch ein Punkt, den man bedenken sollte. Bei den anderen Modellen kann man aber problemlos davon ausgehen, dass sie auch in Jahren noch gut genug sein werden, um Standard-Apps locker laufen zu lassen.

Besser sieht es wieder bei der Frage nach der passenden Tastatur aus. Sowohl Air, als auch iPad 7 Gen. können mit Apples Smart Keyboard ausgerüstet werden, das Pro mit dem Smart Keyboard Folio. Nur beim Mini muss man auf eine Bluetooth-Lösung eines Drittanbieters zurückgreifen. Ein echtes Problem ist das aber auch nicht. Ich selbst nutze eine Tastaturhülle von Logitech an meinem iPad Pro, die hervorragend funktioniert. Ich kann leider keine echte Empfehlung für eine Bluetooth-Tastatur oder ein Tastatur-Cover geben, dafür sind einfach zu viele auf dem Markt. Logitech ist aber sicher eine gute Firma, um etwas zu finden. Apples eigene Tastatur, das Smart Keyboard bzw. Smart Keyboard Folio für das Pro sind übrigens auch tolle Lösungen, die Leichtigkeit mit großem Nutzen verbinden. Leider sind sie mit 179€ (iPad 7 Gen. / Air) bzw. 199€ (iPad Pro 11 Zoll) und sogar 219€ (iPad Pro 12.9 Zoll) sehr teuer.

Hat man sich für eine Größe entschieden, sollte man gut überlegen, wie viel Gigabyte internen Speicher man benötigt. Meine Faustregel wäre hier, dass 32GB zu wenig sind, 64GB funktionieren kann und es ab 128GB komfortabel wird. Schaut einfach mal auf eure Smartphones und guckt, wie viel internen Speicher ihr da belegt, das sollte ein ganz guter Indikator sein. Letztlich muss man noch wissen, ob man LTE benötigt, oder ob Wifi reicht. Für die meisten wird es Wifi wohl tun, nur wer wirklich viel unterwegs ist, sollte über LTE nachdenken.

Zwingend notwendig ist natürlich der Kauf eines Eingabestiftes und hier gibt es zwei sinnvolle Möglichkeiten: den Apple Pencil oder den Logitech Crayon. Für den Pencil der ersten Generation werden seit einer Preissenkung 99€ fällig, der der 2. Generation kostet 135€. Logitechs Crayon ist für 70€. Im Funktionsumfang unterscheiden die beiden Stifte nur die Druckempfindlichkeit. Der Apple Pencil kann erkennen, wie sehr man beim Schreiben oder Malen aufdrückt, der Crayon ist dazu nicht in der Lage.

Vorausgesetzt man möchte ein iPad, stellt sich letztlich für die meisten wohl die Frage, ob man das günstigere iPad 7. Gen. möchte, welches nicht mehr ganz aktuell, aber absolut leistungsfähig ist, oder doch lieber in noch mehr Zukunftssicherheit investiert und ein iPad Air kauft. Nur für wen es entweder besonders klein oder groß sein soll, sollte einen Blick auf das iPad Mini oder Pro werfen.

Das Surface Go als Windows-Alternative

Bleibt noch die Surface-Reihe von Microsoft. Da ich selbst nie ein Surface genutzt habe, kann ich keine persönlichen Erfahrungen schildern. Testberichte lassen aber darauf schließen, dass sie eine echte Alternative sind. Es lohnt sich also zumindest mal ein Blick ins Windows-Land. Dass Microsoft richtig gute mobile Qualität bieten kann, zeigen die Office-Apps für iOS, die zum Besten gehören, was man auf iOS finden kann. Allerdings bietet Microsoft mit dem Surface Go (ab 450€) nur ein halbwegs günstiges Gerät. Das Surface Pro 7 bekommt man ab 750€ Surface Pro X aktuell ab 1039€.

Das Surface Go scheint auf den ersten Blick praktisch zu sein für den mobilen Einsatz, da es einen eingebauten Ständer mitbringt, der sich ausklappen lässt. Allerdings kann es in Sachen Performance nicht mit den iPads, nicht mal mit dem günstigsten mithalten. Der Bildschirm ist 10 Zoll groß und damit etwas kleiner als das Einsteiger-iPad (7 Gen.) und das iPad Air. Wer glaubt, mit Microsoft sparen zu können, liegt falsch – vor allem wenn man die deutlich geringere Performance bedenkt. Das Modell mit 64GB kostet 449€, für 599€ bekommt man 128GB. Das Tastaturcover (Surface Go Signature Type Cover) kostet zusätzlich knapp 130€ – immerhin hier spart man im Vergleich zu Apple. Beim Stift muss man dafür sogar etwas drauflegen: der Surface Pen kostet 109,99€ im Microsoft Store. Einen ausführlichen Testbericht findet ihr hier.

Als Entscheidungshilfe habe ich in der folgenden Tabelle eine Übersicht erstellt:

iPad 7. Gen.iPad AiriPad Pro 12.9iPad MiniSurface Go
Displaygröße10,2“10,5“12,9“7,9“10“
ProzessorA10 FusionA12 BionicA12Z BionicA12 BionicIntel 4415Y
Speichergröße32/128GB64/256GB128/256/
512GB/1TB
64/256GB64/128GB
Preise379€/479€549€/719€1.099€/1.209€
/1.429€/1649€
449€/619€449€/599€
Preise beziehen sich auf die jeweiligen Speichergrößen und gelten bei den iPads OHNE LTE-Funktion.

Digitale Mitschriften: Preisleistungssieger iPad

Im Frühjahr 2020 kann man die Frage: _Papierlos mitschreiben, aber wie?_ relativ einfach beantworten. Wer einen Begleiter für unterwegs sucht und keine All-in-One-Lösung sollte sich ein iPad kaufen. Verarbeitung, Performance und Werterhalt überzeugen hier. Zudem ist Apple ausnahmsweise mal eindeutiger Preisleistungssieger. Wer hätte das gedacht! Zudem können Studierende noch mehr sparen, wenn sie Apples Education-Programm nutzen oder von einem Reseller wie Mactrade kaufen.Wer in erster Linie auf den Preis schaut, sollte beim iPad 7. Gen. schauen, alle anderen lieber beim iPad Air. Und wer das iPad zum Hauptrechner machen will, kann sich auch beim – deutlich teureren – Pro mal umgucken.

Das Surface Go dürfte für diejenigen eine Alternative sein, die Windows brauchen oder wollen und ein wenig auf Performance verzichten können. Sparen wird man hier aber nicht. Möglicherweise lohnt es sich dann eher, eine Gesamtlösung bei den teureren Vertretern der Surface-Reihe zu suchen.


Alle Produktempfehlungen sind meine persönliche Meinung und keine Werbung, da ich keinerlei wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehe.

4 Kommentare

  1. Ich finde ehrlich gesagt, dass hier eine recht wichtige Variante fehlt – die Convertibles. Ich besitze ein nicht gerade günstiges Lenovo Yoga, da ich Informatik studiere, und es ist wirklich sehr angenehm. Man kann sowohl tippen bei Programmierübungen, aber auch mit dem Stift kurze Anmerkungen machen, etwas malen oder ganz mitschreiben.
    Bei den Kosten liegt man dabei halt zwischen einem teuren iPad und einem Ultrabook (also knapp 1000-2000 Euro).

    Das einzige, was wirklich fehlt, ist die GoodNotes-App 😉

    1. Spannender Punkt, danke für den Hinweis! Das Sein bestimmt eben das Bewusstsein und da ich selbst kein Convertible nutze, taucht es auch nicht im Artikel auf. 😉 Aber da es ja eine sehr zentrale Frage für ein Blog über papierloses Arbeiten ist, wird es sicherlich mal einen Nachfolgeartikel geben – dann auch mit Convertibles. 🙂 Welches Programm nutzt du denn vorrangig?

      1. Ja, das stimmt. dazu sind Convertibles ohnehin noch nicht so alt, dass sie jeder gut kennen würde.

        Momentan noch ungeschlagen ist OneNote (abgesehen von der recht dürftigen Umwandlung von Handschrift in Text), da man darin so gut wie alles machen kann, auch mathematische Formeln sind relativ gut zu tippen. Man kann darin ja auch das ganze Skript oder die Folien einfügen und Anmerkungen machen. Kommt aber darauf an, wie sehr sie die App-Version verbessern, da es im neuen Office-Paket kein OneNote mehr geben wird.
        Für Handschriftliches finde ich derzeit MyScript Nebo auch nicht schlecht, das liest selbst den schnell hingekritzelten Satz noch relativ gut und wandelt ihn in normalen Text um, sodass man es danach in ein Word- oder PDF-File umwandeln kann.

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