Devonthink im Portrait (4) – Der Blick in die (unsichere) Zukunft

Im letzten Teil der Reihe zu Devonthink möchte ich in die Zukunft schauen. Ich weiß leider nicht, was hier in Zukunft kommen wird und welche Pläne Devontechnologies hat. Ich weiß aber, dass ich Devonthink noch lange nutzen möchte. Leider bin ich mir nicht sicher, welchen Weg Devonthink in Zukunft beschreiten wird. Daher werfe ich einen (unsicheren) Blick in die Zukunft.

Bei aller Kritik: Ich denke, in den letzten drei Teilen ist klar geworden, dass Devonthink mir sehr am Herzen liegt. Es ist Software für Power User, für Personen, die mit ihren Macs und iPads arbeiten und ihr Geld verdienen. Allein auf dem iPad habe ich letzte Woche 6 Stunden verbracht. Hinzu kommt wahrscheinlich eine ähnliche Dauer in Devonthink für den Mac. Kurz: Devonthink ist essentiell für mein tägliches Arbeiten. Und natürlich macht man sich Sorgen um die Dinge, die einem am Herzen liegen. Was nacht mir bei Devonthink Sorgen?

Ein kleines Team (?) und Geheimniskrämerei

Natürlich kann ich von außen nicht wissen, wie viele Personen tatsächlich an Devonthink und DTTG arbeiten. Eventuell sind es deutlich mehr, als es scheint. Wenn ich mich aber nur auf die Team-Seite von Devontechnologies beziehe, arbeiten lediglich drei Entwickler an den beiden Programmen. Das ist natürlich extrem wenig, würde aber erklären, wieso große Versionssprünge und neue Features vergleichsweise lange dauern. Die meisten Releases sind Verbesserungen an der Performance oder Bug-Fixes.

Bitte nicht falsch verstehen, das ist auch wichtig und gern gesehen. Niemand mag Apps, die super buggy daherkommen. Und es gibt auch immer wieder neue Features. Vor vier Monaten wurden Push-Benachrichtigungen für den Sync eingeführt und vor zehn Monaten kam Synchronisation über iCloud dazu. Das ist super und sehr hilfreich – aber eben auch nicht der große Sprung nach vorn, der Devonthink to Go auf ein neues Level heben würde.

Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Das andere ist Kommunikation. Ich kann sehr viel besser auf Features warten, wenn ich weiß, dass da was kommt – und sei es eben in einem halben Jahr. Viele Software-Firmen haben zu diesem Zweck Roadmaps. Dort machen sie transparent, woran sie gerade arbeiten; aber auch woran eben nicht. Ich bin mir sicher, dass bei Devontechnologies jeden Tag hart gearbeitet wird. Es häufiger mitzubekommen, wäre aber sehr viel beruhigender. Leider vertritt Devontechnologies genau die entgegen gesetzte Philosophie. Sie werden nicht müde zu betonen, dass sie keine Roadmaps oder Versprechungen abgeben. Aus einer Programmierer-Sicht kann ich das sogar verstehen, da man sich auf diese Weise mehr Freiheiten bewahrt und nicht so sehr unter Druck setzt. Aus Nutzer-Sicht empfinde ich diese Herangehensweise aber als wenig inklusiv und nicht zeitgemäß.

Ebenso würde ich mir wünschen, dass die Nutzer*innen stärker auf kommende Features Einfluss nehmen könnten. Bei anderen Apps werden Feature-Wünsche gesammelt und dann zur Abstimmung gestellt. Die Wünsche, die besonders viele Votes bekommen, werden priorisiert umgesetzt. Das bedeutet nicht, dass die User die komplette Entwicklung diktieren. Es ist gut, wenn Software-Entwickler*innen auch eine klare Meinung bzw. eine Vision für das eigene Produkt haben. Apple tut das wie kaum eine andere Firma. Und immer wieder haben sie damit Recht und präsentieren Dinge, die besser sind, als das was sich der Großteil vorher gewünscht hat. Aber selbst Apple hört auf Feedback und reagiert darauf, wenn ein Thema für viel Unmut sorgt.

Ich bin mir sicher, dass auch Devontechnologies das tut. Wenn nicht, würden sie kaum eine entsprechende Kategorie in ihrem Forum führen. Mehr Transparenz und Beteiligung würde ihnen aber auch hier gut zu Gesicht stehen. Die relativ neue Notizen-App Agenda ist sowohl für Roadmaps, als auch die Berücksichtigung von User-Wünschen ein absolutes Positivbeispiel. Die Jungs und Mädels von Agenda haben sowohl eine Übersicht, woran sie gerade arbeiten, als auch Vorschauen auf kommende Features.

Ein wenig Öffnung könnte schon Wunder bewirken.

Project Marzipan und die Zukunft des Macs

Der zweite große Punkt heißt iOS – Apples Betriebssystem für iPhone und iPad. Alle Zeichen deuten momentan darauf hin, dass es in Zukunft immer wichtiger wird und MacOS weiter den Rang abläuft. MacOS bzw. Macs allgemein werden nicht verschwinden. Hätte Apple das Ende des Macs eingeläutet, wäre nicht der iMac Pro herausgekommen. Zudem soll noch in diesem Jahr ein neuer Mac Pro erscheinen. Es gibt also auf jeden Fall eine Zukunft. Dennoch liegt der Fokus aus iOS.

Ein wunderbarer Fingerzeig ist Project Marzipan, welches Apple auf der WWDC 2018 erstmals vorstellte. Hinter dem Codenamen verbirgt sich ein umfangreiches Software-Framework, mit dem es in Zukunft möglich sein soll, Apps auf allen Plattformen von Apple laufen zu lassen: Mac, iPad und iPhone. Dabei wird aber schon jetzt deutlich, dass sich nicht etwa die mobilen Versionen an der für den Mac orientieren sollen, sondern umgekehrt, Marzipan-Apps für den Mac deutlich an iOS erinnern. iOS übernimmt also die Vorbildrolle. Gut zu sehen ist das an den ersten Apps, die schon im Marzipan-Framework laufen: Home, News, Sprachmemos, sowie die Aktien-App sehen weniger nach klassischen Mac-Apps und viel mehr nach iOS aus.

Und auch ein Blick auf das Entwicklungstempo von iOS und MacOS machen deutlich: Apples Augenmerk liegt auf iOS. Das soll nicht heißen, dass es nicht nach wie vor eine große Community gibt, die Macs zum Arbeiten und Geldverdienen nutzt. Und sicher richtet sich Devonthink eher an Personen, die Pro-Bedürfnisse haben. Wer nur ein wenig Dokumente verwalten möchte, dürfte mit Apples Finder vollauf zufrieden sein. Dennoch wird das iPad immer mehr zu einem, wenn nicht DEM Arbeitsgerät für immer mehr Menschen. Ich persönlich nutze es beispielsweise permanent, da ich viel unterwegs bin und kein Macbook habe. Zuhause steht mein iMac, unterwegs nutze ich das iPad Pro. Und ich ärgere mich jedes Mal, dass ich nur eine deutlich abgespeckte Version von Devonthink nutzen kann.

Meine Sorge ist hier schlicht, dass die Macher*innen von Devonthink einen anderen Schwerpunkt setzen und die iOS-Version immer als Bürger zweiter Klasse behandeln, wenn die Realität längst anders aussieht. Die weiter oben angesprochene fehlende Transparenz bezüglich kommender Entwicklungen tut hier ihr Übriges.

Es soll nicht so klingen, als würde ich nur an Devonthink herummeckern. Devonthink ist sowohl auf dem Mac, als auch dem iPad eine der besten Apps dort draußen. Wäre es anders, würde ich nicht vier lange Blogartikel darüber schreiben. Ich bin ein großer Fan. Aber genau deshalb sorge ich mich um die Zukunft und wünsche mir mehr, als ich momentan bekomme. Über das Thema Online-Zusammenarbeit mit anderen habe ich dabei noch gar nicht gesprochen. Es ist nämlich leider nicht möglich, eine Datei einfach so anderen zur Verfügung zu stellen. Auch so eine Sache, die anno 2019 anachronistisch wirkt.

Ich wünsche mir daher drei Dinge für die Zukunft von Devontechnologies: erstens weiterhin so gute Arbeit wie bisher, zweitens bessere Kommunikation kommender Entwicklungen und drittens ein klares Bekenntnis zu iOS und zukünftigen Entwicklungen im Apple-Kosmos.

Zu den bisherigen Teilen kommst du hier (Was ist Devonthink?), hier (Mein Nutzungsszenario), sowie hier (Devonthink und iOS).

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2 Kommentare

    1. Haha, Wahnsinn was es manchmal für Zufälle gibt. Ich bin aber natürlich hocherfreut und kann es gar nicht abwarten, die Beta zu testen. 😁

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