Was ist ein Computer? iPadOS 13 vorgestellt

Apples iPad macht mit iPad OS 13 einen riesigen Schritt nach vorn. Was ist neu? Was kann das neue Multitasking-System? Ist Safari endlich ein richtiger Browser? Und was hat es mit dem Dark Mode auf sich? Braucht man jetzt überhaupt noch einen „richtigen“ Computer? Wo verlaufen die Grenzen? Und spielt das noch eine Rolle? In diesem Artikel erfahrt ihr es.

Apple hat mit einem Werbespot für das iPad hohe Wellen geschlagen. In diesem Spot sieht man ein Mädchen, das den ganzen Tag mit ihrem iPad unterwegs ist. Zuhause fragt die Mutter, was sie da auf ihrem Computer mache. Daraufhin fragt das Mädchen zurück: „What’s a computer?“ – Was ist ein Computer? Das mag übertrieben sein, aber die Grenzen verschwimmen, so viel sei vorweg genommen. Um besser zu verstehen, wie stark iPad OS 13 das Arbeiten auf dem iPad verändert, müssen wir zunächst zurückblicken.


Hier gibt es das gesamte Review als PDF zum Download.


Während meines Studiums begleiteten mich mehrere mobile Rechner. Ganz am Anfang stand das schrullig-schlechte Asus Transformer EEE Pad. Der Prozessor war so schwachbrüstig, dass ich immer auf den Cursor warten musste, wenn ich Buchstaben auf der Tastatur tippte (hier geht’s zum damaligen Review von The Verge… was für Zeiten!). Seitdem wurde es zum Glück deutlich besser. Zunächst mit einem MacBook Air ausgerüstet, arbeite ich nun seit etwa zwei Jahren nur noch mit meinem iPad Pro 12.9“ (2017), wenn ich unterwegs bin. Die einzige Veränderung betrifft die dazu genutzte Tastatur. Lange Zeit habe ich Apples Smart Keyboard genutzt, mittlerweile bin ich bei Logitechs Slim Folio Pro gelandet. Dazu kommt natürlich noch der Apple Pencil.

Die Gründe, die mich vom Macbook zum iPad gebracht haben, sind schnell benannt: Als Politikwissenschaftler lese ich sehr viele wissenschaftliche Paper und es gibt für mich nichts besseres, als Anmerkungen direkt im Dokument vorzunehmen. Komfortabel geht das aber nur mit einem Stift, weshalb ich unheimlich gern mit dem iPad und dem Apple Pencil arbeite. Ansonsten schreibe ich vorrangig, wenn ich unterwegs bin; sei es für die Wissenschaft oder meinen Blog. Hinzu kommt das übliche Tagesgeschäft: Mails, surfen, Medienkonsum. Für diese Zwecke ist das Paket aus Tablet, Tastatur und Stift unschlagbar. Wer zusätzlich noch die LTE-Version gekauft hat, kommt auch noch in den Genuss, unabhängig von schlechten, nicht vertrauenswürdigen, oder gar nicht erst vorhandenen WLANs zu sein.

Der Homescreen in iPad OS 13 hat Platz für mehr Icons und ständig angezeigte Widgets

Aber natürlich ist jede Story ohne Haken am Ende Propaganda. Mit anderen Worten: Natürlich stoße ich mit dem iPad und iOS 12 an Grenzen. Diese tun mir mal mehr, mal weniger weh. Oft gibt es Umwege, die das Arbeiten nur ein wenig umständlicher machen, manchmal geht es aber auch einfach nicht weiter. Manches davon ist iOS anzulasten, anderes den Software-Entwickler*innen, die in iOS keine vollwertige Plattform sehen oder schlicht andere Prioritäten setzen. Die größten Probleme tun sich für mich immer dann auf, wenn Apps nur rudimentäre Begleiter ihrer großen Vorbilder auf dem Mac sind. Das wird zum Glück immer weniger, kommt aber nach wie vor (zu häufig) vor. 

Ein gutes Beispiel ist MaxQDA, ein Programm für die qualitative Analyse von Textdaten, das in den Sozialwissenschaften weit verbreitet ist. Auf dem Mac ist das ein tolles Programm, das die tägliche Forschung mit Interviewdaten erheblich vereinfacht. Auf dem iPad ist die App leider ziemlicher Schrott, obwohl das eigentlich überhaupt nicht sein müsste. Die eigentlichen Aufgaben, die die App auf dem Mac erfüllt, könnten an und für sich ganz hervorragend auch auf dem iPad geschehen. Apps wie LiquidText oder Margin Note zeigen, wie produktives Arbeiten mit mehreren PDF-Files auf dem iPad aussehen kann. Es ist einfach nur so, dass einer iPad-App hier keine Priorität eingeräumt wird und das ist äußerst schade.

Andere Hürden sind deutlich massiver und können auch nicht einfach mit einem App-Update überwunden werden: Wer z.B. auf dem iPad programmieren möchte, wird schnell feststellen, dass das nicht klappt. iOS ist stark auf Sicherheit bedacht, weshalb die einzelnen Apps in von einander getrennten Containern laufen und auch keinen echten Zugriff auf das Betriebssystem haben. Im Endeffekt bedeutet das, dass Programmcode nicht zu einem fertigen Programm kompiliert werden kann. Programmieren ist so nicht möglich.

Andere Hürden sind der Umgang mit externen Speichermedien (Festplatten oder USB-Sticks werden nicht erkannt unter iOS12) oder der Safari-Browser, der bisher nur eine beschnittene Version des Mac-Safaris war. Statt die „richtige“ Desktop-Seite anzufordern, wurde immer die mobile Seite geladen und selbst wenn man manuell wechselte, wurden Website-Elemente oftmals nicht korrekt erkannt. Manche Websites funktionierten dann einfach nicht, egal was man tat. Auch das Downloaden von Dateien war praktisch unmöglich, wenn man keine Drittlösung wie den iCab-Browser nutzte.

Alles in allem war das iPad mit iOS 12 für mich mein 80%-Rechner. Vieles funktionierte perfekt und sogar besser, als es auf einem Mac möglich wäre. Manches war über Umwege oder mit kleinen Hürden möglich. Und nur weniges, eben ca. 10-20% meiner Arbeit waren wirklich nicht möglich und erfordern einen Mac oder Windows-Rechner.

Mit iOS 13, bzw. eigentlich iPad OS 13 wie es nun heißt, macht Apple einen ganz großen Schritt nach vorn. Die Verbesserungen sind massiv und vielfältig. Das iPad wird ist spätestens jetzt eine sehr, sehr ernstzunehmende Alternative zu Laptops und kann – je nach Studiengang und sonstigem Einsatzzweck – für ein gesamtes Studium eine Lösung sein. Aber wie gut eignet sich das iPad nun wirklich als alltägliches Arbeitsmittel? Davon berichte ich in diesem Artikel. 

[nextpage title=“Multi-Tasking: Plötzlich so viele Fenster!“]

Die Abwesenheit von Multitasking war in den frühen Tagen des iPads sein größter Vorteil und Nachteil zugleich. Beliebig viele Fenster wie auf einem Mac gleichzeitig geöffnet zu haben, war per Design ausgeschlossen. Der Grundsatz lautete: One app at a time. Das war großartig, um sich wirklich zu fokussieren, brachte in der Summe aber mehr Nachteile mit sich, da man ständig zwischen Apps hin- und herwechseln musste. 

Mit iOS 9 war dieser Ansatz dann Geschichte. Apple führte Multitasking auch fürs iPad ein. Von nun an war es möglich, zwei Apps gleichzeitig zu öffnen (Split-View), eine App über eine andere zu legen (Slide-Over), oder ein Video bzw. einen Facetime-Call in einem kleinen Fenster weiterlaufen zu lassen, während man eine andere App nutzte (Picture-in-Picture). Mit den folgenden iOS-Iterationen wurde manches Detail an diesem System geändert, wirklich bahnbrechende Verbesserungen ließen aber auf sich warten. Eines der größten Probleme war dabei sicherlich, nicht zwei Instanzen einer App gleichzeitig öffnen zu können. Zwei Word-Dokumente auf einem iPad anzeigen zu lassen, war beispielsweise unmöglich. Gerade für Nutzerinnen, die viel mit Text arbeiten (also z.B. Studierende oder Wissenschaftlerinnen) war dieser Limitierung äußerst unangenehm. Die einzige Ausnahme bildete Safari. Hier war es ab iOS 10 möglich, zwei Websites zur gleichen Zeit nebeneinander anzeigen zu lassen.

Mit iPad OS 13 ändert sich diesbezüglich grundlegendes: Zum ersten Mal ist das iPad in der Lage, mehrere Instanzen einer App gleichzeitig anzuzeigen und im Hintergrund bereit zu stellen. Aber der Reihe nach.

Instanzen und App Exposé

Angenommen, ich möchte Daten zwischen zwei Ordnern verschieben. Bisher musste ich hierfür die integrierte Files-App öffnen, die Datei auswählen, sie kopieren, in den neuen Ordner navigieren und sie dort wieder einfügen. Das geht nun deutlich leichter. Ich öffne einfach Files, ziehe das Dock hoch und ziehe das Files-Icon ein zweites Mal neben das schon offene Fenster. Prompt gehen die beiden Instanzen der selben App in den Split-View-Modus und nehmen jeweils 50% des Bildschirms in Anspruch. Natürlich kann das Verhältnis auch weiterhin zu 70:30 bzw. 30:70 verschoben werden. Zwischen den beiden Fenstern kann ich nun Dateien per Drag & Drop hin- und herschieben.

Einfach Dateien von A nach B schieben

Genauso lassen sich zwei Notes-Fenster anzeigen oder zwei Mal die Mail-App, um beispielsweise eine Mail zu schreiben, während man eine andere als Referenz nutzt. So überfällig dieses Feature war, so sehr erhöht es die Produktivität des iPads. App-Entwickler*innen müssen das Feature zwar in ihre Apps integrieren, da es nicht einfach so funktioniert. Ich bin aber zuversichtlich, dass das bei den meisten Anwendungen schnell nach Release, wenn nicht gar direkt zum Start geschehen wird. Apples eigene Apps unterstützen das Verhalten natürlich von Beginn an.

Wem das noch nicht reicht, der kann natürlich auch noch Slide-Over nutzen, um sogar eine dritte Instanz einer App anzeigen zu lassen. Hier dürfte aber die sinnvollere Variante sein, eine zweite App, anstelle einer dritten Instanz der selben App anzeigen zu lassen. Allein aber die Möglichkeit zu haben, ist toll. Es wird sicher manche Usecases geben, in denen es sehr hilfreich ist, neben Split-View auch noch Slide-Over für ein und die selbe App zu nutzen.

Ich weiß zwar nicht wozu, aber man kann nun sogar 3 mal Mail gleichzeitig angezeigt bekommen

Stellt sich lediglich die Frage: Wie finde ich die einzelnen Fenster bzw. Instanzen einer App wieder? Hierfür hat Apple App-Exposé eingeführt. Auf dem Mac wird unter dem Begriff Exposé eine Übersicht aller geöffneter Fenster verstanden. Auf dem iPad ist es die Übersicht aller Fenster/Instanzen einer App. So ist der schnelle Wechsel zwischen den einzelnen Fenstern einer App möglich. 

Um App Exposé zu öffnen, gibt es zwei Möglichkeiten. Bin ich gerade auf dem Homescreen, klicke ich lang auf ein App Icon (der sog. Longpress, der auch andere Schnellaktionen zugänglich macht und 3D-Touch bzw. Haptic Touch vom iPhone imitiert/ersetzt). Nach kurzer Zeit öffnet sich ein Menü mit der Möglichkeit, alle Fenster anzeigen zu lassen.

Alle Fenster anzeigen als Aktion im Untermenü

Die zweite Möglichkeit kommt ins Spiel, wenn ich schon eine App geöffnet habe. Dann ist der schnellste Weg nämlich, das Dock hochzuwischen und auf das Symbol der schon geöffneten App zu klicken. Sofort öffnet sich die Exposé-Ansicht. Ein kleines Plus rechts oben in der Ecke ermöglicht es im Übrigen, auch direkt aus Exposé heraus, neue Instanzen zu öffnen.

Neben den normalen Fenstern werden in App Exposé auch App-Instanzen angezeigt, die in Slide-Over leben. So ist alles an einem Ort, was sehr angenehm für die Übersichtlichkeit ist. 

Slide-Over als Werkzeugkasten

Apropos Slide-Over.. hier hat sich ebenfalls eine Menge getan. Vor iPad OS war Slide-Over genau eine App. Man konnte sie wegwischen und wieder rüberziehen, am linken oder rechten Bildschirmrand anzeigen lassen. Das war’s. Wollte man eine andere App in Slide-Over haben, musste man die erste ersetzen. Diese Limitierung ist nun vorbei. Slide-Over bekommt nämlich einen eigenen App-Switcher, wie man ihn vom iPhone kennt. So können mehrere Apps gleichzeitig in Slide-Over existieren und nach Belieben gewechselt werden. Dazu zieht man einfach den kleinen grauen Indikator am unteren Ende nach oben und schon fächern sich alle Apps auf. Und natürlich kann man auch einfach durch die Apps wischen. Eben alles wie man es vom iPhone kennt.

Unten am Rand zeigt sich ein Indikator, wie man ihn schon vom iPhone kennt.

Slide-Over wird so für mich zur Toolbox. Ich sammle dort all die Apps, die kleine Werkzeuge für meinen Arbeitsalltag sind. Im Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe sind das folgende Apps: Dateien, Safari, 1Password, Paste, Linguee und Pouch.

Mein „Werkzeugkasten“

Wieso Dateien und Safari dort auftauchen sollte relativ klar sein. Das eine gibt mir schnellen Zugriff auf Files aus iCloud oder Dropbox, das andere – Safari – ist super, um schnell etwas zu recherchieren. Dafür reicht auch der wenige Bildschirmplatz, den man in Slide-Over bekommt. 1Password ist mein Passwortmanager. Wenn ich ihn auf einer Website brauche, habe ich ihn so schnell zur Hand und kann per Drag & Drop Login-Daten einfügen. Paste ist ein verbessertes Clipboard mit dem Text, aber auch Bilder oder andere Dateien geräteübergreifend kopiert, gespeichert und wieder abgerufen werden können. Ich nutze es aber in erster Linie, um Textbausteine, (Mail-)Adresse und ähnliches zu speichern und später zu nutzen. Für den schnellen Zugriff auf abgelegte Dateien ist Pouch da, eine Art Regal-App, die quasi den Desktop als temporären Speicherort ersetzt. Linguee zuletzt ist eine Übersetzer-App, da ich oft auch auf englisch lese und schreibe und es schätze, schnell mal ein Wort oder eine Phrase nachschauen zu können. 

Verschiedene App-Paare für eine komplette Arbeitsumgebung

Zuletzt möchte ich noch auf ein oft übersehenes Feature hinweisen: App-Paare. Wie oben beschrieben, können zwei Apps in Split-View koexistieren. So weit, so bekannt. Außerdem war es bisher schon möglich, verschiedene App-Paare zu haben und sie im App-Switcher zu wechseln. Beispielsweise konnte ich auch schon vor iPad OS ein Paar aus Mail und Safari und eines aus einem PDF Reader und Notes haben. Diese Paare blieben im Hintergrund erhalten und konnten bei Bedarf wieder aufgerufen werden.

Der App Switcher mit Einzelapps und App-Paaren

Das Problem war allerdings, dass jede App nur einmal laufen konnte, da das Konzept von Instanzen ja noch nicht bestand. Das hat sich nun geändert und das ist ein massiver Vorteil, da es nun zum ersten Mal möglich ist, eine gesamte Arbeitsumgebung für eine bestimmte Aufgabe zu „bauen“. Dadurch, dass eine App mehrere Instanzen haben kann, kann ich sie auch in mehrere App-Paare einbauen.

Angenommen ich möchte einen forschungsintensiven Artikel schreiben. Dann benötige ich dafür mit Sicherheit einen PDF-Reader, Safari, ein Schreibprogramm, meine Literaturverwaltung, die Dateien-App, Notes und ein paar kleine Helfer wie ein Wörterbuch. Ich kann nun – immer unter der Prämisse, dass die entsprechenden Apps das neue Verhalten implementieren – meinen PDF-Reader neben Notes geöffnet haben, um Notizen aus einem Text zu extrahieren. Gleichzeitig kann ich in einem anderen App-Pärchen Notes und mein Schreibprogramm offen haben und in einem dritten meine Literaturverwaltung und Safari für die Quellenrecherche. In Slide-Over finden sich dann die von mit angesprochenen kleinen Helfer, die auf diese Weise schnell zur Hand sind und mich nicht von meiner Arbeit abhalten, sondern mich darin unterstützen. 

Einschränkend hinzufügen muss ich leider, dass nicht zwei Mal das gleiche Dokument, oder die gleiche Notiz in verschiedenen App-Pärchen existieren kann. Es ist also nicht möglich, die Zusammenfassung eines Textes, die ich in Notes schreibe, sowohl in einem Paar mit meinem PDF-Reader, als auch in einem anderen Paar mit meinem Schreibprogramm zu haben. Wenn ich versuche, beispielsweise die gleiche Notiz zu einem zweiten Pärchen hinzuzufügen, wird automatisch das erste Pärchen getrennt. Ich hoffe sehr, dass sich dieses Verhalten noch ändert, da man so noch einfacher mit ein und der selben Datei arbeiten könnte, wie es für komplexe Schreibprozesse oder ähnliche Arbeiten mit viel Referenzmaterial typisch ist. Zwei Mal die gleiche Apple Notes Notiz nebeneinander zu haben, funktioniert aber – prinzipiell scheint es also möglich zu sein.

Notes im Doppelpack

Multitasking auf neuem Level

Für mich sind die Neuerungen im Multitasking-System ein Segen. Endlich kann ich mehrere Instanzen der selben App haben. Das ist gerade bei Apps wie Files, Notes, Schreibprogrammen oder PDF-Readern unheimlich wertvoll. Wer professionell mit seinem iPad arbeiten möchte, benötigt nunmal häufig eine Reihe verschiedener Dokumente, Bilder, Videos und so weiter. Dass das nun möglich ist, ist ein super Schritt. Noch besser gefällt mir aber, dass Slide-Over nun so viel mehr zu bieten hat. Ich möchte den kleinen Werkzeugkasten am Bildschirmrand nicht mehr missen. Wenn jetzt noch die Möglichkeit hinzukommt, eine Datei in mehreren App-Paaren geöffnet zu haben, wäre ich komplett zufrieden.

Trotz aller Freude möchte ich auch Kritik äußern. Bei all den neuen Möglichkeiten kann man nämlich auch schnell mal den Überblick verlieren. Mir ging es schon öfter so, dass ich schlicht vergessen hatte, dass da irgendwo noch eine weitere Instanz einer App schlummerte, mit der ich eigentlich arbeiten wollte. Und auch die nach wie vor fehlende Suche für den App-Switcher finde ich unverständlich. Es ist schlicht mühsam, sich durch diverse Fenster zu scrollen, um irgendwann das richtige zu finden. Wie praktisch wäre da ein kleines Suchfenster, um Apps filtern zu können. Gibt es aber nicht. Unverständlich. Die positiven Seiten überwiegen für mich dennoch deutlich.

Und wer mit all dem nichts anfangen will oder kann und sein iPad einfach nach wie vor beispielsweise als Konsumgerät nutzen möchte? Der kann das tun. Multitasking ist eine zweite, eher versteckte Lage des Betriebssystems und nicht der Normalzustand. Den Normalzustand bildet wie eh und je der Grundsatz One app at a time. Niemand wird zu mehr gezwungen. Dass aber viel mehr geht, ist ein extrem wichtiger und begrüßenswerter Schritt.

[nextpage title=“Die Dateien-App meint es ernst“]

Files oder Dateien, wie die App auf Deutsch heißt, ist die Dateiverwaltung fürs iPad und die mobile Entsprechung zum Finder auf dem Mac. Hier werden Cloud-Dienste wie Dropbox, Google Drive oder iCloud an einem Ort angezeigt. Das ist äußerst praktisch, da man sonst ständig zwischen verschiedenen Apps hin- und herwechseln müsste, zumindest sobald man mehr als eine Cloud-Lösung nutzt. Das wird aber wohl für viele zutreffen. iCloud ist sowieso mit an Bord, sofern man ein Apple Gerät benutzt. Dropbox oder Google Drive sind die gängigsten Lösungen, um mit anderen zusammenzuarbeiten und viele Unis bieten mittlerweile auch eigene Cloud-Lösungen an. Eh man sich versieht hat man mit drei oder vier verschiedenen Clouds zu tun. Das alles an einem Ort zu haben, erleichtert den Umgang sehr.

Das Problem der letzten Jahre mit Files war aber, dass es erstens oft nur instabil lief und zweitens essentielle Features fehlten, die man von einem Dateibrowser einfach erwarten würde. Die gute Nachricht: Mit dem neuen Betriebssystem bekommt man nun fast alles, was man sich irgendwie wünschen kann. Ein Überblick.

Endlich! Externe Datenträger anschließen 

Als 2018 die ersten iPads mit USB-C Anschluss auf den Markt kamen, war die Empörung groß – zu Recht. Man konnte nun zwar externe Datenträger wie Festplatten per USB-C ans iPad anschließen, erkannt wurden diese aber nicht. Lediglich Fotos konnten direkt übertragen werden. Wieso sich Apple damals so entschied, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Fakt ist, dass es gar nicht gut ankam.

Jetzt ist dieses Problem gelöst. Von nun an lassen sich alle denkbaren Festplatten, USB-Sticks oder auch SD-Karten ans iPad anschließen. Das richtige Kabel oder den passenden Adapter natürlich vorausgesetzt. Einmal eingesteckt, erscheint das Speichermedium in der linken Übersichtsspalte unter dem Punkt Speicherorte und kann wie jeder andere Ordner angewählt werden. Von dort lässt sich dann wie gewohnt Drag & Drop nutzen. Auch direktes Arbeiten an den Dateien ist möglich, ohne sie vorher in einem Ordner auf dem iPad abzuspeichern.

Lokaler Speicher ist nun zugänglich

Lokaler Speicher auf dem iPad war immer eine komische Sache. Man konnte nämlich nicht wirklich direkt darauf zugreifen. Der Hintergrund hierzu ist in der Geschichte und ursprünglichen Idee des iPads zu suchen. Der Grundgedanke war immer, dass Apps zuerst kommen, nicht Dateien. Auf einem Mac oder Windows PC navigiert man sich üblicherweise durch Ordnersturkturen, um dann eine Datei anzuklicken, die ein Programm öffnet. Auf dem iPad war es stets umgekehrt: Man öffnet eine App, um aus dieser App heraus die Datei zu öffnen. Daher gab es lange Zeit ja auch überhaupt keinen File-Browser und der lokale Speicher war Apps vorbehalten, um dort sozusagen Speicher-Silos zu errichten, auf die man aber eben nicht direkt zugreift, sondern aus der jeweiligen App heraus.

Mit der Zeit war dieses Konzept aber überholt, oder deckte zumindest nicht mehr 100% der Usecases ab. Umso seltsamer wirkte es, dass man Dateien immer in einem Cloud-Speicherort speichern musste und nicht einfach lokal auf dem iPad. Zum Glück ändert sich auch das. Auf meinem iPad taucht nun ganz oben unter Speicherorte auf. Dateien können ganz normal dort hin verschoben werden, man kann Ordner anlegen und alles was man sonst noch so erwarten würde. Auf meinem iPad ist nun ein ganz normaler Bestandteil des Datei-, Speicher- und Ablagesystems und das ist hervorragend. Eigentlich nichts, was man besonders hervorheben müsste, da es selbstverständlich sein müsste, aber gut – Hauptsache wir haben es jetzt.

‚Auf meinem iPad‘ ist nun standardmäßig nutzbar

 

Einfache Zusammenarbeit und Serverzugriff

Wo wir gerade bei Features sind, die schon längst hätten da sein sollen… iCloud-Ordner können nun geteilt werden. Wie, das ging vorher nicht? Tatsächlich nein. Man konnte zwar auch schon früher einzelne Dateien in iCloud für andere freigeben, nicht aber ganze Ordner. Bei Wettbewerbern wie Google oder Dropbox ist das selbstverständlich. Jetzt hat auch Apple das Feature implementiert, sodass ihr Ordner mit anderen iCloud-Nutzer*innen teilen könnt. Leider wird diese Funktionalität wohl noch nicht von Anfang an dabei sein. Während des Beta-Prozesses für iPadOS 13 hat Apple die Möglichkeit wieder rausgeschmissen und auch bei iPadOS 13.1 ist es noch nicht wieder dabei. Ich hoffe sehr, dass dieses Feature schnell wieder Einzug hält.

Weniger auf der Hand liegt, dass nun auch der Zugriff auf SMB-Server integriert wurde. Das begegnet einem ab und zu im Firmenumfeld und ist ein Windows-Netzprotokoll, u.a. zum Austausch von Dateien. In meinem Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter nutzen wir beispielsweise einen SMB-Server, da wir mehrere Projektstandorte haben. Der Server dient uns als Austauschort für bestimmte Dateien. In einem solchen Umfeld können wir nicht einfach klassische Clouds nutzen, da universitäre Forschung unter strikte Datenschutzrichtlinien fällt, weswegen wir auf eine Lösung wie einen Server zurückgreifen müssen, der überprüfbar innerhalb der Uni-Mauern steht. Bislang war es mir nicht möglich, auf diesen Server von einem iPad aus zuzugreifen. Zumindest nicht aus der Files-App. Jetzt geht das und das ist klasse, wenngleich es sicherlich eines der weniger genutzten Features sein wird.

Die Funktionen, ein Dokument zu scannen und sich mit einem Server zu verbinden, sind ein wenig versteckt

 

Schnellere Workflows und neue Tools

Neben diesen doch ziemlich tiefgreifenden Änderungen sind noch einige spannende kleinere Neuerungen hinzugekommen, die jedoch je nach Anwendungsfall das Arbeiten deutlich erleichtern können. Die Spaltenansicht ist eine davon. Bisher war nämlich nur die Icon- und die Listenansicht möglich. Jetzt kommen Spalten dazu, was gerade bei tiefen Ordnerstrukturen ein schnelleres Navigieren und größere Übersicht ermöglicht.

Jetzt auch auf dem iPad: Column View

In eine ähnliche Rubrik fällt, dass dank der Änderungen im Multitasking-System (siehe Kapitel 1) nun zwei Fenster der Dateien App in Split View nebeneinander angezeigt werden können, sodass man einfach Dateien per Drag & Drop hin- und herschieben kann und sich nicht mehr umständlich durch Ordnerketten klicken muss.

Praktische neue Tools sind die sog. Quick Actions bzw. Schnellaktionen, die Möglichkeit direkt in Dateien Dokumente zu scannen und die integrierte Möglichkeit, Zip-Archive zu packen und wieder zu entpacken. Schnellaktionen werden in der Spaltenansicht unter dem Vorschaubild der jeweiligen Datei angezeigt und stellen Aktionen dar, die man mit nur einem Klick auf die Datei anwenden kann. Bei einem Bild ist das z.B. Anmerkungen zu machen, das Bild zu drehen oder es in ein PDF zu konvertieren.

Quick Actions

Die Scan-Funktion ist ein klein wenig versteckt, funktioniert aber wirklich einfach. Ganz oben in der linken Leiste mit allen Speicherorten findet man drei kleine Punkte. Klickt man dort drauf, hat man drei Optionen: die angezeigten Speicherorte bearbeiten, eine Verbindung zu einem Server herstellen oder eben ein Dokument oder Foto scannen. Sicherlich könnte das etwas prominenter platziert sein (siehe oben), aber gut. Immerhin ist die Funktion da. So spart man sich unter Umständen wieder eine App.

Zuletzt noch ein Wort zu Zip-Archiven, also komprimierten Dateipaketen. Ein ZIP-Archiv lässt sich einfach per Klick darauf oder über das Kontextmenü entpacken. Will man den umgekehrten Weg gehen und mehrere Dateien zu einem ZIP-Archiv zusammenschnüren, muss man diese auswählen und dann rechts unten auf Mehr klicken. Dort verbirgt sich dann der Menüpunkt Komprimieren, der sofort ein ZIP-Archiv erstellt, welches dann beispielsweise per Mail versendet werden kann.

Endlich ordentlich mit Dateien arbeiten

Die Dateien App macht mit iPadOS 13 einen riesigen Schritt nach vorn. Das ist auch dringend notwendig, wenn das iPad als ernsthafte Arbeitsmaschine wahrgenommen werden möchte. Apple hat hier bisher viel Potential verschenkt und jetzt unheimlich viel adressiert. Offensichtlich fehlende Features wie die Unterstützung für externe Datenträger wurden hinzugefügt und mit einer Reihe an kleineren Funktionen ergänzt, die in ihrer Summe aber das Arbeiten deutlich erleichtern und beschleunigen sollten. Dafür gibt es einen dicken Daumen nach oben!

[nextpage title=“Safari als Lückenschließer“]

Safari. Standard-Browser und Konkurrenzprodukt zu Google Chrome, Firefox und Microsofts Edge-Browser, der früher mal Internet Explorer hieß. In den letzten Jahren waren Nutzer*innen von iOS mit zwei divergierenden Entwicklungen konfrontiert. Während Browser immer wichtiger wurden, konnte Safari für iOS nie so ganz mithalten. Zu sehr merkte man ihm an, dass er eigentlich für den viel kleineren Screen des iPhones konzipiert war. Manche Seiten ließen sich auch schlicht nicht sinnvoll benutzen. Und das alles in einer Zeit, in der immer mehr Menschen quasi ihren gesamten Arbeitsalltag in einem Browser verbringen. Spätestens mit Google Docs ist der Interet-Browser für viele schlicht zum Betriebssystem geworden, in dem alles passiert. 

Die gute Nachricht: Mit iPad OS 13 tut sich hier verdammt viel! Apples Safari-Team hat sich mit diesem Release wirklich selbst übertroffen.

Die größte Neuerung ist, dass Safari von Internetseiten nun nicht mehr als mobiler Browser wahrgenommen wird. Auf einem iPhone macht es natürlich Sinn, eine angepasste Seite anzufordern, da sonst die einzelnen Elemente viel zu klein sind, um sie zuverlässig mit dem Finger zu drücken. Auf einem großen iPad-Bildschirm macht das viel weniger Sinn. Und daher tut Safari nun standardmäßig so, als ob er ein Desktop-Browser ist. 

Nun konnte man auch schon vorher die Desktop-Seite anfordern (einfach lange auf das Neu laden Symbol drücken und die entsprechende Option wählen). Viele Probleme wurden so aber dennoch nicht gelöst, manche Website-Elemente waren nicht klickbar etc. Hier wurde intensiv an der Browser-Engine gearbeitet. Damit tut Safari auf dem iPad nicht mehr nur so, als ob er ein Desktop-Browser ist – er funktioniert auch so. Das beste Beispiel ist für mich das Aufklappen von Menüs. Früher war es immer ein Glücksspiel, ob Aufklappmenüs auf dem iPad funktionierten oder nicht. Safari hat oft versucht, den Link direkt zu öffnen, sodass eine Auswahl aus einem Submenü schlicht nicht möglich war. Diese Probleme wurden gänzlich behoben. Die Navigation funktioniert so, wie man es auch auf einem Mac erwarten würde.

 Viel wichtiger ist aber, dass endlich Google Docs, Sheets etc. einwandfrei funktionieren. Google hat sich immer sehr viel Zeit gelassen, seine Apps für iOS zu aktualisieren. Manche neuen Features kamen erst Monate nach Release einer neuen iOS-Version, andere gar nicht. Ein Ausweichen auf den Browser war auch keine Option, da Safari nicht damit klar kam. Die einzige Möglichkeit war es, Chrome für iOS zu nutzen, was aber mächtig am Akku zehrte. Dieses Problem ist nun gelöst. Google Docs funktioniert hervorragend in Safari – sogar inklusive Tastaturbefehlen!

Aber auch sonst wird dieser deutlich verbesserte Umgang mit Webseiten viele Nutzungsszenarien ermöglichen, die vorher undenkbar waren. Ein LaTeX-Editor wie Overleaf war bisher nicht sonderlich komfortabel zu bedienen. Jetzt funktioniert auch das tadellos. Wer auf LaTeX angewiesen ist, muss nun keine gesonderte App mehr nutzen, sondern kann problemlos auf dem iPad und am Desktop-Rechner an den gleichen Dokumenten arbeiten. 

Gleichzeitig ist das aber auch nur ein Beispiel für viele weitere Lückenschließer. Was meine ich damit? Ganz einfach: Wie anfangs geschrieben, verlagert sich immer mehr Arbeit in den Browser, immer mehr Aufgaben können auch in einem Browser erledigt werden. Dieser Trend hat viele Vorteile, da Software nicht mehr lokal laufen muss. Das prominenteste Beispiel sind die Chromebooks von Google, die quasi nur ein Zugangsgerät für Googles Online-Dienste sind. So wie Streaming-Dienste den DVD-Verleih ablösten und das Streamen von Videogames gerade in den Startlöchern steht, können auch an der Uni oder im Büro zunehmend mehr Lücken so geschlossen werden. Software-Entwickler*innen werden nun also auch endlich eine Lösung für sich finden können, zumindest manche für manche Nutzungsszenarien. Sicherlich werden die meisten nach wie vor lokal mit dem Editor ihrer Wahl entwickeln wollen. Aber allein die Möglichkeit, einen Service wie DigitalOcean ohne künstliche Einschränkungen nutzen zu können, dürfte ein großer Schritt nach vorn sein. Hier gibt es übrigens spannende Artikel zum Thema Coden auf dem iPad.

Google Docs funktioniert nun genauso gut im Browser…

 

…wie ein Online-LaTeX-Editor wie Overleaf.

 

Ein besseres Gesamterlebnis

Das Safari-Team hätte es dabei bewenden lassen können. Der Fortschritt wäre auch so erheblich gewesen und kaum einer hätte sich beschwert. Aber sie haben einfach weiter gemacht und eine ganze Reihe zusätzlicher Funktionen eingebaut, die Safari nochmal deutlich aufwerten. Mit den neuen Funktionen kann ich beispielsweise Recherchen für ein Forschungsprojekt viel einfacher in Safari umsetzen. Wieso das? Weil ich jetzt einen Download-Manager, neue Speicheroptionen und ein neues Tab-Speichersystem habe. 

Das neue Multitasking-System (Link zu Kapitel 1) funktioniert natürlich auch für Safari und entfaltet hier so richtig seine Wirkmacht. Ich kann jetzt quasi verschiedene Fenster bzw. Instanzen von Safari haben, um Themen zu trennen. Beispielsweise eine Safari-Instanz nur für Recherche, in einer anderen läuft Google Docs und in der dritten Reddit und Youtube für die Pausen. So ist auch mehr Konzentration gegeben, da es natürlich aufwändiger ist zwischen Fenstern zu wechseln, als nur zwischen Tabs. Aber auch die räumliche Trennung ist gut für meine mentale Ordnung.

3 Safari-Fenster gleichzeitig sind kein Problem

Genauso gut kann ich aber auch den neuen Umgang mit Tabs nutzen. Es ist nun möglich, alle offenen Tabs eines Safari-Fensters als Ordner in den Favoriten zu speichern und auch wieder gemeinsam zu öffnen. Das ist extrem praktisch, wenn ich zu einem bestimmten Thema recherchiere, mehrere Webseiten dazu offen habe, sie dann aber erstmal für spätere Verwendung abspeichern möchte. Ich lege nun einfach einen Ordner mit all diesen Seiten an, benenne ihn entsprechend und kann die Seiten dann schließen. Benötige ich sie wieder, habe ich sie schnell zur Hand.

Das zweite wirklich praktische Feature sind die neuen Speicher-Möglichkeiten für Webseiten. Websites können nun ohne Zusatzsoftware als PDF oder Webarchiv gespeichert werden. Um das zu nutzen wurde im neuen Sharesheet (mehr dazu in Kapitel 5) oben ein kleiner Extrabalken eingeführt mit dem Punkt Optionen. Klickt man da drauf lässt sich auswählen, ob die Seite als PDF oder eben Webarchiv gespeichert werden soll. Webarchive sind ein besonderes Dateiformat, welches die komplette Website speichert, die man sich gerade anschaut. Das kann sinnvoll sein, wenn Seiten dynamische Elemente beinhalten, beispielsweise Videos oder animierte Diagramme. Hat man sich für ein Format entschieden, kann die Seite einfach in der Dateien-App gespeichert werden.

Apropos Downloads: Es gibt nun erstmals einen Download-Manager. Das klingt unspektakulär, war bisher aber nur auf dem Desktop dabei. Jetzt also auch auf iPad und iPhone. Auch hier muss ich nun keine Kompromisse mehr eingehen, ich kann den Download-Manager so nutzen, wie ich es vom Desktop kenne. Bietet mir eine Website eine PDF-Datei oder auch ein Musikstück oder ein Video zum Download an, so kann ich sie nun herunterladen – früher war das auf dem iPad oftmals gar nicht möglich oder nur, wenn ich einen Browser wie iCab Mobile genutzt habe. Und das beste daran: Ich kann der Datei direkt einen Namen geben und den Ordner auswählen, in dem sie landen soll. Oder aber direkt in den Einstellungen einen Standard-Ordner festlegen, in den alle Downloads gehen. Wie man es erwartet würde, erscheint nun ein kleines Downloadsymbol recht neben der Adresszeile, wenn ich etwas herunterlade. Von dort aus kann ich die Datei entweder direkt löschen, oder aber in den Download-Ordner springen, um sie weiter zu bearbeiten. 

Ein Download-Manager ????????‍♂️

 

Und noch etwas spielt hier rein: Es ist nun einfacher denn je, gute Screenshots zu machen. Wieso? Und was meine ich mit guten Screenshots? Bisher war immer ein wenig Fingerakkrobatik nötig, da man gleichzeitig den Homebutton und den Powerbutton drücken musste. Von nun an kann man einfach mit dem Apple Pencil aus der linken Bildschirmecke hochwischen. Im Handumdrehen öffnet sich die Screenshot-Ansicht von der aus man Anmerkungen am Screenshot machen und ihn anschließend speichern oder teilen kann. Das ist extrem praktisch, wenn man einfach nur jemandem schnell etwas zeigen möchte oder Referenzmaterial für einen späteren Zeitpunkt sichern will. 

iPadOS hat hier noch einen weiteren Trick auf Lager. Man kann nun auswählen, ob wirklich nur Bildausschnitt erfasst wird, also ein klassischer Screenshot, oder die komplette Seite! So lassen sich komplette Websites in Sekundenschnelle speichern, annotieren und teilen.

Safari ist erwachsen geworden

Safari ist erwachsen geworden. Das ist wohl eine der wichtigsten Nachrichten für alle, die viel oder ausschließlich auf ihrem iPad arbeiten. Aber auch Gelegenheitsnutzer*innen profitieren natürlich davon, da es plötzlich möglich ist, eine Seite wie Netflix problemlos in Safari zu nutzen. Und auch sonst ist jeder mit Sicherheit schon mal über eine Website gestolpert, die Ausklappmenüs oder sonstiges hat und die sich einfach nicht ordnetlich auf dem iPad bedienen ließ. Das gehört nun der Vergangenheit an. 

Noch viel wichtiger als Netflix ist aber (zumindest für mich ????) dass Safari nun so viele Lücken schließt, die das iPad hier und da noch hatte. Ich möchte das noch an einem kleinen Beispielworkflow verdeutlichen. Angenommen ich schreibe eine Seminararbeit oder einen Report, der ein gewisses Maß an Recherche erfordert: Ich bin nun in der Lage, zuerst ein Outline in Google Docs anzulegen. Dann folgt die Recherche-Phase. Ich suche passende Literatur und speichere die Tabs in einzelnen Ordnergruppen thematisch sortiert. PDFs kann ich einfach in die Dateien-App laden und dort bearbeiten. Die Arbeit an sich könnte ich in einem LaTeX-Editor wie Overleaf auch im Browser schreiben mit meinem Referenzmaterial in Splitview daneben. Und meine Literatur verwalte ich im Online-Interface von Mendeley. 

Ich würde nicht behaupten, dass das die beste aller Möglichkeiten ist. Aber allein die Tatsache, dass solch ein Workflow auf einem iPad mit iPadOS 13 möglich ist, ist fantastisch und sollte für viele User*innen viele Probleme lösen. Und das sind fantastische Neuigkeiten.

[nextpage title=“Barrierefreiheit für alle“]

Barrierefreiheit ist oft ein Randthema. Die meisten, die nicht unmittelbar betroffen sind, haben oftmals wenig Anlass sich damit zu befassen. Ich sehe das anders und würde Barrierefreiheit sehr viel niedrigschwelliger aufhängen. Ich trage zum Beispiel eine Brille mit nicht unerheblicher Stärke. Ohne diese Brille könnte ich meinen Alltag nicht bewältigen. Sie verschafft mir also Barrierefreiheit. Auf ähnliche Art und Weise sehe ich das Thema beim Arbeiten mit dem iPad. Alles, was den Umgang mit dem Gerät oder der Software darauf erleichtert und Zugangsbarrieren abbaut, ist für mich Barrierefreiheit. Und mit iPad OS passiert hier richtig was.

Das iPad bekommt eine Maus

Tatsächlich! Ans iPad kann nun eine Maus angeschlossen werden. Apple verpackt diese Maus-Unterstützung zwar als Accessibility-Feature, nutzen kann man es aber einfach so. Bisher gab es das zwar auch schon, allerdings nur für sehr spezielle und vor allem teure Sonderlösungen, die sich explizit an Menschen richten, die motorisch eingeschränkt sind. Mit iPad OS funktioniert nun jede x-belieibige Bluetooth-Maus.

Wieso ist das für ein Gerät interessant, dessen ursprüngliches Verkaufsargument es doch war, mit den Fingern gesteuert zu werden? Der Grund ist in der Entwicklung des iPads weg vom bloßen Konsumgerät, hin zum Arbeitscomputer zu sehen. Ich nutze mein iPad oft viele Stunden am Tag. Ich lese Texte darauf, recherchiere Quellen, schreibe Texte, verfasse Mails und so weiter – es ist in erster Linie ein Arbeitsgerät für mich. Und so verhält es sich für viele andere auch. Apps wie Luma Fusion ermöglichen professionellen Videoschnitt und Photoshop für das iPad steht vor der Tür.

Mit dieser Mehrnutzung kommen aber natürlich auch andere Probleme, allen voran Ergonomieprobleme. Es ist einfach nicht sehr haltungsfreundlich, sich hunderte Male am Tag vor zu beugen, um etwas auf einem Touchscreen zu drücken – und auch nicht sonderlich effizient. Die verbesserte Unterstützung von Mäusen löst dieses Dilemma. Man kann sich nun sogar eine Art Workstation-Lösung vorstellen, da sich die 2018er iPads über USB-C an externe Displays anschließen lassen. Man könnte nun also das Display per Kabel anschließen und zusätzlich eine Tastatur, sowie die Maus per Bluetooth verbinden. Oder einfach unterwegs etwas mehr Nutzungskomfort unterwegs haben.

Der Mauszeiger verschwindet leider automatisch, wenn man einen Screenshot macht. Daher habe ich ihn abfotografiert.

Allerdings merkt man auch, dass Apple Maus-Support nicht als Mainstream-Feature sieht, zumindest noch nicht. Zum einen ist der Mauszeiger kein Mauszeiger, sondern eine Art ausgefüllten Doppelkreis. Und zum anderen ist es nicht ganz trivial, die entsprechende Einstellung zu finden. Um eine Maus zu aktivieren, muss man zunächst die Einstellungen öffnen, dann die Bedienungshilfen öffnen und den Punkt Tippen aufrufen. Dort kann dann Assistive Touch aktiviert werden (was nötig ist). Im gleichen Untermenü gibt es zudem den Menüpunkt Zeigegeräte – Geräte. Hier tauchen aktivierte Bluetooth-Mäuse auf und lassen sich verbinden. Noch ein richtiger Clou dabei ist, dass sich auch die einzelnen Tasten der Maus konfigurieren lassen. Man kann so Funktionen wie den App Switcher aufrufen, das Kontrollzentrum öffnen oder das Dock anzeigen lassen.

Inklusive Technik ist gute Technik

Wenngleich Mausunterstützung momentan für die meisten den größeren Mehrwert haben wird, hat Sprachsteuerung doch das Potential, unseren Umgang mit Computern nachhaltig zu verändern. Mit der neuen Betriebssystemversion wird Voice Control zum ersten Mal zu einer echten Option. Prinzipiell lässt sich nun nämlich jede Aktion auf dem iPad auch mit einem Sprachbefehl steuern. Das beinhaltet auch das Diktieren langer Texte, was sicherlich für manche interessant sein könnte.

Wer sich das ganze mal in Aktion anschauen möchte, kann das in Apples Werbevideo tun. Sicherlich funktioniert es nicht so reibungslos wie in diesem kurzen Clip, aber einen guten Eindruck bekommt man auf jeden Fall. Leider wird diese Funktionalität zunächst nur auf englisch verfügbar sein. Wie schnell – und ob überhaupt – Sprachsteuerung auch auf deutsch möglich ist, ist nicht absehbar. Ich würde aber definitiv nicht ausschließen, dass es früher oder später kommt. Wer mehr über Barrierefreiheit bei Apples Geräten lesen möchte und wie tief verwurzelt der Gedanke in der Produktentwicklung ist, kann das in einem Macwelt-Artikel tun, den ich vor einigen Monaten geschrieben habe. Leider ist er hinter einer Paywall. Wer den Artikel aber gern lesen möchte, kann sich einfach registrieren und dann zwei Insider-Artikel pro Monat gratis lesen.

Mein Fazit in diesem Artikel ist, dass inklusive Technik gute Technik ist und unter diesem Gesichtspunkt betrachte ich auch die Einführung von Maussupport und Sprachsteuerung. Auch wenn ich nicht zwingend darauf angewiesen bin, kann es mir den Umgang mit meinen Geräten erleichtern und das ist immer eine gute Sache.

[nextpage title=“All die (nicht so) kleinen Dinge“]

Bisher habe ich die ganz großen Änderungen und Verbesserungen in iPadOS 13 vorgestellt. Neben diesen wirklich massiven Veränderungen gibt es aber noch ein paar Kleinigkeiten, die für den Einen oder die Andere von Interesse sein dürften und das Arbeiten auf dem iPad weiter erleichtern. Auf diese möchte ich hier kurz eingehen.

Die neue Reminders App

Was wäre ein Studium ohne Deadlines, die natürlich immer viel zu knapp geplant werden? Genau: Kein vollwertiges Studium. Allerdings kommt damit auch eine Menge Stress ins Unileben, sodass der Eine oder die Andere womöglich doch mal genug davon hat und sich besser organisieren möchte. Ein logischer Schritt dabei sind To-Do-Manager, also sozusagen die gute alte Aufgabenliste in digitaler Entsprechung. Wenig überraschend gibt es hierfür Angebote wie Sand am Meer. Eine Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt umfasst z.B. OmniFocus, Todoist, Things, 2Do, Wunderlist usw. Ein Thema, in dem man sich verlieren kann.

Allerdings wäre Apple nicht Apple, wenn sie nicht auch eine eigene Lösung anbieten würden: die Reminders App, zu deutsch einfach nur Erinnerungen. In den letzten Jahren konnte man damit relativ wenig anfangen, da sie einfach nicht weiterentwickelt wurde und nur sehr rudimentäre Funktionen aufwies. Mit iPadOS 13 macht Erinnerungen aber einen großen Sprung und kann für viele die perfekte Lösung sein, um die anfallenden Aufgaben nicht mehr zu vergessen und Stress zu reduzieren.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Erinnerungen ist tief ins Betriebssystem integriert und synchronisiert automatisch via iCloud. Man muss sich also um nichts kümmern und vor allem auch nichts zahlen. Beim Interface hat sich seit der letzten Version einiges getan, sodass die App nun durchaus ansprechend und modern aussieht. Es verfügt über zwei Spalten, wobei die linke Spalte zur Übersicht dient und in der rechten die eigentlichen Aufgaben angezeigt werden.
Die linke Spalte ist wiederum dreigeteilt. Ganz oben befindet sich das Suchfenster, um nach bestimmten Projekten (in Erinnerungen heißen Projekte „Listen“) oder Aufgaben zu suchen. Dann kommen vier Shortcuts: Heute, Geplant, Alle und Markiert. Unter Heute sieht man alle Aufgaben, die heute anfallen, Geplant zeigt alle Aufgaben mit einem Datum. Alle zeigt – wenig überraschend – alle verfügbaren Aufgaben und unter Markiert sieht man die Aufgaben, die besonders wichtig sind und eine kleine orangene Markierungsflagge erhalten haben. Ganz unten befindet sich dann der Abschnitt Meine Listen in der alle Listen, oder Projekte, die man so anlegt, angezeigt werden. Jede Liste kann einen eigenen Namen und ein eigenes Symbol erhalten.

Reminders – in neuem Glanz

Interessant ist zudem, dass man Aufgaben auch Orte zuweisen kann, sodass man besipielsweise daran erinnert wird, ein bestimmtes Buch auszuleihen, wenn man in der Bibliothek ankommt. Zudem kann man Bilder oder Dokumente hinzufügen, was sehr praktisch sein kann. Auch Unteraufgaben sind möglich, werden aber in meinen Augen nicht gut umgesetzt, da sie nur umständlich wieder angezeigt werden können. Weitere Features sind die Möglichkeit, Aufgaben wiederholen zu lassen oder sie mit iMessage zu integrieren, sodass man eine Aufgabe angezeigt bekommen kann, wenn man einer bestimmten Person schreibt.

Erinnerungen deckt also die Grundbedürfnisse ab und kann durchaus als vollständiger To-Do-Manager gesehen werden. Wer bisher noch keinen nutzt, sollte unbedingt mal einen Blick riskieren und vielleicht einfach ein paar Wochen damit arbeiten. Der generelle Wert von To-Do-Managern ist riesig, gerade wenn man mehrere Projekte gleichzeitig bearbeitet. Leider ist natürlich nicht alles mit Erinnerungen möglich, was man von großen Konkurrenten wie OmniFocus kennt. So lassen sich die vier Shortcuts nicht bearbeiten. Auch eigene smarte Listen lassen sich nicht erzeugen. Wer also sehr viel von seiner To-Do-App möchte, wird hier irgendwann an Grenzen stoßen. Dennoch rate ich es jedem und jeder, es einfach mal auszuprobieren. Ich prognostiziere, dass Erinnerungen für viele völlig ausreichen wird. So lässt sich wieder Geld sparen, da Apple die App mitliefert.

Dark Mode

Dark Mode. Was lässt sich hierzu großartig sagen? Eigentlich nicht viel und er macht aus dem iPad auch kein besseres Gerät. Vielleicht aber eines, dass sich in der ein oder anderen Situation einfacher, da augenschonender, nutzen lässt?! Gerade wer sehr viel am iPad arbeitet und das vielleicht auch mal abends oder nachts tut, wird über ein dunkleres Erscheinungsbild froh sein. Auf dem Mac gab es diese Option ja schon seit einem Jahr, nun also auch für iPad und iPhone. Man kann dabei wählen, ob man den Dunkelmodus selbst ein- und ausschalten möchte oder ob das ganze automatisch funktioniert, beispielsweise bei Sonnenauf- und Untergang. Ich persönlich nutze es genau so und bin zufrieden. Noch profitieren nur Apples eigene Apps vom dunkleren Erscheinungsbild, es ist aber absehbar, dass viele App-Enwickler*innen zügig dafür sorgen werden, dass auch ihre App den Sonnenuntergang erlernt.

Mail im neuen Darkmode

Alle Schriften immer an Bord

Schriftarten bzw. Fonts auf dem iPad waren immer so eine Sache. Ohne größere Kopfstände war es bisher nämlich nicht möglich, Schriftarten auf dem iPad zu nutzen, die nicht auch schon vorher drauf waren. Das dürfte die meisten auch nicht stören, sind doch mehr als genügend Fonts vorinstalliert. Es gibt aber sehr wohl eine Reihe an Anwendungsfällen. Designerinnen, Künstlerinnen und andere Kreative können hiervon sicher ein Lied singen. Auch wer sein eigenes Buch schreibt, möchte womöglich genau diese eine Schriftart haben, die eben nicht auf dem iPad ist. Nun ist das möglich. Schriften werden im Appstore verfügbar sein und bekommen einen eigenen Punkt in der allgemeinen Abteilung der Einstellungen.

Mini-Tastatur und swipen

Wer wirklich viel auf dem iPad arbeitet wird die Bildschirmtastatur wohl eher selten sehen. Es ist einfach ergonomisch nicht sinnvoll für lange Zeitperioden auf einer Glasplatte zu tippen. Dennoch werden auch die exessivsten Vieltipper*innen ab und an ihr iPad ohne zusätzliche Tastatur benutzen und für diese Momente bringt iPadOS13 auch ein paar Neuerungen mit.
Es war bisher äußerst umständlich, einhändig zu tippen, da der Bildschirm so groß ist. Gerade auf dem großen iPad Pro mit 12,9 Zoll Bildschirmdiagonale. Für diese Fälle gibt es nun die Mini-Tastatur, die sich mit der bekannten Pinch-to-zoom-Geste aktivieren lässt. Man zieht einfach mit zwei Fingern die Tastatur kleiner, wie man es auch mit einem Bild tun würde und schon verwandelt sie sich ins Mini-Format.

Süß! Eine Minitastatur. ????

Ist die Tastatur erst einmal in diesem Modus, lässt sie sich frei auf dem Bildschirm platzieren und auch eine weitere Neuerung kommt hier ins Spiel. Statt zu tippen, kann man nun erstmals swipen, also über die Buchstaben wischen, um ein Wort zu schreiben. Ich mag diese Art des Schreibens und bin auf dem iPhone komplett umgestiegen. Auf dem iPad hat es für mich weniger Gewicht, da ich meist mein Tastatur-Cover am iPad habe. Dennoch ist das eine willkommene Möglichkeit. Swipen klappt aber wirklich nur mit der kleinen Mini-Tastatur, die große unterstützt nur normales Tippen.

Leider gibt es immer noch keine Emoji-Suche. Ab und an werden zwar Emojis vorgeschlagen, wenn man ein bestimmtes Wort schreibt, ein kleines Suchfenster wäre aber sehr viel sinnvoller und ich verstehe nicht, wieso Apple das nicht endlich einfach einbaut. Konkurrenten wie Google bieten diese kleine nützliche Möglichkeit schon lange und da Emojis in unserer Kommunikation immer wichtiger werden, macht das auch jeden Sinn der Welt. Aber gut – man kann wohl nicht alles haben und vielleicht bekommen wir ja eines Tages noch eine integrierte Emoji-Suche.
Oh, neue Gesten für Textauswahl, kopieren und einsetzen gibt es übrigens auch. Hier ist ein super Artikel zum Thema.

Sign in with Apple

Wir alle haben immer mehr Online-Accounts. Diesem Schicksal entkommt niemand. Kaum eine neue App oder ein Service, bei dem man nicht zunächst einen Account einrichten muss. Das ist extrem nervig. Google und Facebook haben das erkannt. Vielerorts ist es daher möglich, sich mit seinem Google- oder Facebook-Account einzuloggen. Auf den ersten Blick ist das natürlich super, weil man sich keine zusätzlichen Passwörter merken muss. Auf den zweiten Blick kann man sich aber leicht denken, wieso Facebook und Google diesen Service anbieten: Sie wollen noch mehr über das Verhalten ihrer Nutzer*innen lernen, um nicht zu sagen: Sie wollen euch noch weiter ausspionieren.

Apple hat nun angekündigt, Sign in with Apple einzuführen. Das soll genauso funktionieren wie die Lösungen der Konkurrenz, dabei aber ein Hauptaugenmerk auf Privatsphäre legen. Apple positioniert sich ja schon länger als besonders am Datenschutz interessiert (ja, trotz des Siri-„Skandals“) und will diese Geschichte nun fortschreiben.

Der große Unterschied zu anderen Lösungen ist nämlich, dass die Menge der übertragenen Daten deutlich reduziert wird. Lediglich der Name der mit der verwendeten iCloud-Adresse verbunden ist, die Mailadresse und ein stabiler Identifier werden genutzt. Und selbst die Mailadresse kann noch verborgen werden. In diesem Fall ersetzt Sign in with Apple die eigene Mailadresse mit einer zufälligen, aber verifizierten Mailadresse. So ist sichergestellt, dass ein echtes Konto dahintersteht, der Drittservice aber nicht eure echte Mailadresse bekommt. Und da jeder Login seine eigene Zufallsmailadresse bekommt, kann man diese auch einfach abschalten, wenn man den Service oder die App nicht mehr nutzen möchte. Ich freue mich schon sehr auf diese Funktion, da Facebook beispielsweise Tonnen an Daten über diesen Weg abgreift und ich gern eine datenschutzfreundlichere Variante nutzen möchte. Wer noch mehr Informationen haben möchte, kann hier nachlesen.

Siri Shortcuts kann Automation

Mit Siri Shortcuts kam zum ersten Mal die Möglichkeit, kleine Miniprogramme zu bauen nativ aufs iPad und iPhone. Um Shortcuts wirklich gerecht zu werden, müsste ich den Rahmen dieses eh schon großen Artikels deutlich sprengen, weswegen ich einfach mal auf das Archiv von Macstories verweisen möchte, das 150 nach Themen geordnete Shortcuts zum Gratisdownload bereithält.
An dieser Stelle reicht zu sagen, dass Shortcuts nun endlich auch automatisch ausgelöst werden können. Vorher musste man einen Shortcut antippen, damit er ausgeführt wurde. Nun sind Trigger wie Zeit, Ort, WLAN-Netzwerk oder sogar NFC-Tags an Bord, um Shortcuts auszulösen. Allerdings wird diese Funktionalität frühestens mit iPadOS 13.1 kommen, da sie im Laufe des Sommers aus der Beta herausgenommen wurde. Da scheint wohl noch ein bisschen was zu tun zu sein.

Ein neues Share Sheet

Auch das Sharesheet soll noch eine kurze Erwähnung bekommen. Es hat ein neues Layout bekommen und ist nun in fünf Abschnitte aufgeteilt. Ganz oben werden AirDrop-Ziele und häufig genutzte Kontakte angezeigt, dann kommen Apps, an die man die jeweilige Datei weiterleiten kann. Als nächstes finden sich favorisierte Aktionen und dann die App-spezifischen Aktionen. Bei einer Website in Safari also z.B. Hinzufügen zur Leseliste und zu den Favortien, Suchen auf der Seite und Hinzufügen zum Homescreen. Als letztes kommen dann die anderen Aktionen, die Apps bereitstellen. Sowohl App-spezifische Aktionen, als auch andere Aktionen können über den Bearbeiten-Button ganz unten zu den Favoriten hinzugefügt werden, sodass sie oben angezeigt werden.

Ein neues Sharesheet mit Vorschlägen und favorisierten Aktionen

[nextpage title=“Fazit: Was ist ein Computer?“]

Zu Beginn dieses Artikels schrieb ich, dass das iPad mein 80%-Computer ist. Ich meinte damit, dass ich ungefähr 80% meiner täglichen Aufgaben erledigen kann und für die restlichen 20% zwingend einen Mac benötige. Verschiebt sich dieser Anteil mit iPad OS 13? Aber hallo! Wenn ich wirklich müsste, könnte ich nun sicherlich 95% aller Arbeiten erledigen. Den größten Anteil daran hat sicherlich Safari. Safari wurde in seiner Nützlichkeit so enorm verbessert, dass es eigentlich kaum zu glauben ist. In Zeiten, in denen immer mehr Webservices zur Verfügung stehen, ist diese Verbesserung kaum überzubetonen.

Letztendlich hindern mich zwei Punkte, NOCH mehr auf dem iPad zu arbeiten: die verfügbaren Apps und die Bildschirmgröße. Am ersten Punkt können in erster Linie nur die Entwicklerinnen etwas ändern, wenngleich man sagen muss, dass manchen auch die Hände gebunden sind. Ohne im Einzelnen darauf eingehen zu wollen, sind Dinge wie Sandboxing, restriktives RAM-Management und unzureichende APIs Faktoren, die manche Anwendung nur schwer oder auch gar nicht umsetzbar machen. Hier ist es an Apple, iPad OS kontinuierlich voranzutreiben, sodass Apps entwickelt werden können, die nicht ärgerlichen Restriktionen unterliegen. Die Schwierigkeit, mit Pro-Software unter iOS/iPad OS angemessen Geld zu verdienen, kommt hinzu und sicherlich auch gewissen Pfadabhängigkeiten von Entwicklerinnen, die ihren Mac-Code eben nicht von heute auf morgen auf iOS umstellen können oder wollen. Dennoch sind wir hier absolut auf dem richtigen Weg. Es gibt mittlerweile genügend Apps für professionelle Anwender*innen, die zeigen, wohin der Weg gehen muss.

Der zweite Punkt, ein zu kleiner Bildschirm, wird sich natürlich nie wirklich ändern. Immerhin können die aktuellen iPad Pros ja über USB-C an ein externes Display angeschlossen werden – wenngleich bisher nur der Bildschirminhalt gespiegelt wird und das Display vom iPad immer an bleiben muss. Ich hoffe, dass wir hier mit kommenden iPad OS Versionen ein echtes Bildschirmmanagement bekommen.

Abgesehen davon, ist iPad OS 13 aber sicherlich der größte Sprung für das iPad in den letzten Jahren. Die Verbesserungen sind so vielfältig, dass sie hier nicht annähernd erschöpfend behandelt werden konnten. Dinge wie die überarbeitete Mail-App oder die sehr viel bessere Shortcuts App sind einige Beispiele, über die ich eigentlich auch noch hätte schreiben müssen – aber auch meine Zeit ist begrenzt und da das hier nur ein Hobby ist, hat dieser Artikel natürliche Grenzen. 

Und natürlich gibt es auch schlechte Seiten. Im Bereich der Softwareentwicklung ist niemals alles eitel Sonnenschein. Und wenn viel neu entwickelt wird, kann man davon ausgehen, dass es mit der Stabilität nicht so weit her ist. Apples Release-Zeitplan in diesem Sommer und Herbst zeigen das. Übliche Beta-Zyklen wurden über den Haufen geworfen, späte Betas waren so instabil wie sonst nur die allerersten und iPad OS 13 kommt überhaupt nicht raus; Apple springt direkt zu Version 13.1. Und auch in 13.1 werden noch bei weitem nicht alle angekündigten Funktionen enthalten sein, anderes das schon drin ist wird Bugs haben etc. 

Dennoch: iPad OS 13 ist ein großer Wurf und ich bin froh, dass Apple das iPad so vorantreibt. Das iPad wird so schnell nicht mehr weg gehen und für zunehmend mehr Menschen wird es in Zukunft zum Ersatzlaptop. Die alte Unterscheidung zwischen Computer und Tablet besteht nach wie vor. Ihre Bedeutung wird aber immer kleiner. Apples Projekt Catalyst zeigt das deutlich. Und vielleicht fragen wir uns dann wirklich bald: Was ist ein Computer? 


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Kommentare

6 Antworten zu „Was ist ein Computer? iPadOS 13 vorgestellt“

  1. Avatar von Kadric
    Kadric

    Hallo,

    der Artikel ist echt umfassend geworden – zeigt sich dabei aber durchgehend nachvollziehbar und gut zu lesen. Vielen Dank dafür :).

    Einen wichtigen Punkt vermisse ich jedoch – wie hat sich die Funktionalität als Präsentiergerät durch IOS 13 verändert: nutzen Sie das Ipad für Präsentationen von wissenschaftlichen Arbeiten, wie ist die Kompabilität mit Beamern und zum Beispiel dem Logitech Magicpresenter? Oder fallen diese Funktionen eher in den Bereich der letzten fehlenden 5% als Computerersatz?

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

    1. Avatar von Jan Schaller
      Jan Schaller

      Hallo Kadric, vielen Dank für den netten Kommentar und die Nachfrage. Das ist in der Tat ein guter Punkt, den ich aber schlicht ausgelassen habe, weil ich das iPad (noch) nicht dafür nutze. Ich habe noch ein 2017er iPad Pro mit Lightning-Anschluss und wollte bisher ungern das Geld für einen entsprechenden Adapter ausgeben, wenn er bald wieder obsolet ist. Sobald ich aber ein iPad mit USB-C Anschluss habe, werde ich das garantiert tun und dann auch zu diesem Thema schreiben. An sich sollte das iPad sehr gut geeignet sein, GoodNotes hat z.B. kürzlich einen Presenter Mode eingebaut mit dem sich Dinge auf Slides zeigen lassen, ähnlich wie mit einem Laserpointer. Von daher – ja, noch fällt es unter die 5%, aber nicht weil es nicht geht, sondern einfach weil es bei mir noch nicht geht. Ich bleibe aber dran und schreibe zu gegebener Zeit darüber.

  2. Avatar von Thomas
    Thomas

    Hallo,
    mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen.
    Ich bin nur endlich auch Besitzer eines iPad (Pro) und kann die tollen neuen Funktionen wie Slide View nutzen.
    Ich habe folgendes Szenario. Man hat zb Safari und Notizen im Dock. Ich öffne Safari, ziehe das Dock hoch, halte kurz das Notiz Symbol fest und schiebe es in die Slide View. So weit so gut und das klappt auch perfekt..
    Was mache ich aber, wenn das App welches ich in Slide View nutzen möchte NICHT im Dock ist? Nehmen wir an ich möchte nun die Dateien App als Slide View nutzen mit Safari. Dateien befindet sich aber auf dem Home Screen. Also hilft mir hier das Dock nicht weiter. Und wenn ich Safari mit einem Wisch nach oben „schließ“ kann ich die App Dateien vom Home Screen ja nicht in die Slide View ziehen. Ich behelfe mir im Moment damit, dass ich ich erst das App welches nicht im Dock ist öffne, dann Safari in den Split View Modus mit Dateien bringe und dann wieder die Dateien App „anpacke“ und in die Slide View Ansicht schiebe. Nicht schön aber funktioniert. Jetzt könnte man sage, dann schieb dir doch Dateien auch ins Dock, aber das Dock hat ja auch eine Begrenzung und ich kann ja nicht alle Apps in das Dock ziehen.

    Gibt es hier noch eine andere Möglichkeit oder gibt es da Erfahrungswerte?
    Vielen Dank

    1. Avatar von Jan Schaller
      Jan Schaller

      Hallo, vielen Dank für die Frage, die beschäftigt tatsächlich viele. Ich finde auch, dass Apple das nicht gut gelöst hat, zumindest wenn man das iPad ohne Tastatur nutzt. Zum Glück gibt es trotzdem ein paar Lösungen und ich hoffe eine davon passt für Sie. 1) Am einfachsten ist es, wenn man eine Tastatur nutzt. Ein Klick auf cmd+Leertaste öffnet Spotlight und man kann die entsprechende App suchen und dann in Splitview ziehen. 2) Die von Ihnen genannte Lösung. Nicht schön, funktioniert aber. 3) Sie können auch ganze Ordner im Dock ablegen und dort dann so viele Apps reinpacken wie sie möchten. Ich habe z.B. einen Ordner im Dock mit all den Apps, die ich ziemlich häufig nutze. Die ständig genutzten sind normal im Dock, die „2. Reihe“ in diesem Ordner. So blockiere ich nur einen Slot im Dock, habe aber dennoch Zugriff. Und nur Apps, die ich für gewöhnlich eh nicht in Splitview oder Slideover nutze (z.B. Medien-Apps) oder selten genutzte Apps sind auf dem Homescreen. Die Mischung aus 1 und 3 funktioniert ziemlich gut für mich, wobei ich auch sagen muss, dass ich fast immer eine Tastatur nutze. Es wäre wirklich hilfreich, wenn man Spotlight auch ohne Tastatur einfacher nutzen könnte. Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig helfen!

  3. […] stimme mit Snell hier überein (siehe dazu mein iPad OS 13 Review). Das iPad IST mittlerweile eine echte Möglichkeit für Studierende. Und ja, ich gehe so weit zu […]

  4. […] Eine tolle Vorstellung der Dateien-App gibt es im Blog Papierlos studieren. […]

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