Kategorie: Workflows

  • Literaturrecherche per Google Scholar oder Bibliothekskatalog? ????

    Literaturrecherche per Google Scholar oder Bibliothekskatalog? ????

    Für jede universitäre Arbeit – Seminar-, Haus- oder Abschlussarbeit – braucht es Literatur. Literaturrecherche ist der Weg, sie zu finden. Doch die kann unterschiedlich aussehen. Zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze sind die Nutzung von Google Scholar und die von Bibliothekskatalogen und Datenbanken.

    Ein Gastbeitrag von Heike Baller

    Literaturrecherche mit Google Scholar

    Google Scholar bietet eine bequeme Form der Literaturrecherche. In Aufbau und Optik ähnlich wie die meist genutzte Suchmaschine der Welt, ist Google Scholar vertraut. Außerdem bietet diese Spezialsuchmaschine einige Dinge, die den Zugang zur Literatur erst einmal erleichtern; z. B. in der rechten Spalte den Hinweis auf Volltexte. Doch wer da klickt, erlebt oft eine Enttäuschung: Es sind Verlagsseiten, bei denen man den Artikel kaufen kann.

    Hybridsuchmaschine

    Google Scholar ist eine Hybridsuchmaschine: Aufgrund von Verträgen mit Wissenschaftsverlagen hat die Suchmaschine Zugriff auf Daten aktueller Publikationen. Ob Sie darauf zugreifen können, hängt davon ab,

    • ob der Verlag open access praktiziert
    • die Bibliothek Ihrer Wahl die Zeitschrift lizenziert hat – in diesem Falle können Sie entweder in der Bibliothek selbst oder per VPN-Client darauf zugreifen.

    Suchmaschine bleibt Suchmaschine

    Google Scholar ist eine Spezialsuchmaschine. Sie berücksichtigt URLs mit Hochschulbezug und ist darauf trainiert, bestimmte Dokumentarten zu erkennen und auszulesen. Ein wichtiger Bestandteil wissenschaftlicher Literatur ist das Literaturverzeichnis Diese bestimmte Struktur – Auflistung von Namen und Titeln, um es verkürzt auszudrücken – kann die Suchmaschine erkennen und auslesen. So wird der aktuelle Text als „wissenschaftlich“ erkannt und in den Index gepackt.

    Doch gibt es keine systematische Erschließung der durchsuchbaren Quellen – das geht ja bei der Masse auch gar nicht. Damit ist jedes Suchergebnis immer ein bisschen ein Zufallstreffer. Bei Suchmaschinen spielen ja noch andere Aspekte eine Rolle, als die treffenden Suchbegriffe zu verwenden. Zum Beispiel Ihre eigene Suchhistorie. Und die aller anderen. Suchmaschinen bringen die Treffer nach oben, die oft angeklickt werden. Damit kommen – trotz der Verlagseinkäufe – oft ältere Titel unter die ersten fünf. Einfach weil sie absolut gesehen häufiger angeklickt wurden. Das liegt in der Natur der Sache.

    Google Scholar ist geeignet, um einen ersten Eindruck zu einem Thema und der damit verbundenen Literatur zu bekommen. Sie können mit einer guten Strategie auch gute Ergebnisse erzielen:

    • Nutzen Sie Operatoren und Befehle in der Suchzeile, um möglichst präzise abzufragen
    • Klicken Sie „Patente“ einschließen“ und „Zitate einschließen“ weg, wenn Sie sie nicht unabdingbar benötigen – das macht die Ergebnisse übersichtlicher
    • Filtern Sie in der linken Spalte nach Zeit
    • Mit filetype:pdf können Sie leichter Dokumente finden, die Sie direkt lesen können – aber das ist dann auf keinen Fall eine vollständige Recherche!

    Literaturrecherche im Bibliothekskatalog oder in einer Datenbank

    Der große Unterschied zu Suchmaschinen bei Datenbanken und Katalogen:
    + Die Inhalte werden systematisch erfasst
    + Die Inhalte werden erschlossen

    Erst einmal kaufen Bibliotheken nicht „einfach so“. Die Erwerbung einzelner Bücher und das Abonnement wissenschaftlicher Journale wird erwogen. Dabei spielen inhaltliche und qualitative Aspekte eine Rolle. (Das ist bei den Preisen für wissenschaftliche Werke auch sinnvoll …).

    Ist der Titel dann angekommen, wird er erschlossen:
    + bibliographische Angaben (Urheber, Titel, Verlag, Jahr)
    + Schlagwörter – die werden heute oft schon von den Verlagen vorgeschlagen, aber Bibliothekarinnen und Bibliothekare passen das gern an die Bedingungen ihrer Bibliothek an)

    Diese Informationen kommen in den Katalog (meist ein OPAC – online public accessable catalogue).

    Und der Witz daran ist: Das finden Sie nicht mit einer Suchmaschine; auch nicht mit Google Scholar. Denn die Inhalte von Datenbanken gehören ins „Deep Web“. Das heißt, sie sind für die Crawler der Suchmaschinen unsichtbar. Datenbanken aller Art machen einen Großteil des Deep Web aus – Suchmaschinen können Sie nur bis an den Eingang führen.

    Neben OPAC können Sie auch Datenbanken durchsuchen, deren Inhalte nach den gleichen Kriterien erschlossen werden. Es handelt sich dabei aber nicht um den Bestand einer bestimmten Bibliothek. Datenbanken verzeichnen im Gegensatz zu Katalogen auch Aufsätze aus wissenschaftlichen Journals; im OPAC finden Sie meist nur den Hinweis, dass es eine bestimmte Zeitschrift im Bestand gibt.

    Für eine vollständige Literaturrecherche sind Kataloge und Datenbanken unverzichtbar. Grundsätzlich gilt: Je besser Sie sich vorbereiten, desto besser läuft Ihre Recherche. Dazu benötigen Sie die passenden Suchbegriffe rund um Ihr Thema. Außerdem ist es sinnvoll, sich zu überlegen, ob es sich dabei eher um ein Titelwort oder ein Schlagwort handelt. Die ach so bequeme Freitextsuche hat nämlich ihre Tücken: Mit dem Suchbegriff „Specht“ rund um Holz und Holzschutz, kann es passieren, dass Sie nicht nur wie erwünscht Treffer rund um das Tier bekommen, sondern auch einen Autor mit Namen Specht, der sich in völlig anderem Zusammenhang mit Holz befasst – aus eigenem Erfahrungsschatz ????.

    Da die einzelnen Quellen unterschiedliche Schwerpunkte haben, sollten Sie mehrere Kataloge und Datenbanken durchsuchen. Ich könnte jetzt noch was zu Metakatalogen sagen, aber das sprengt den Rahmen ????.

    Zur Autorin:

    Heike Baller arbeitet seit 1995 als freiberufliche Rechercheurin. Sie lehrt Internet- und Literaturrecherche an der Universität zu Köln und bietet Seminare zu den Themen rund um Recherche für Bildungsträger und andere Institutionen an. Ihr liebster Satz in solchen Veranstaltungen: „Sie mögen es nicht glauben, aber mir macht das Spaß!“

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    Zu ihren Angeboten zählen neben Seminaren auch 1-1.-Schulungen für die, die für die eigene Internet- oder Literaturrecherche Unterstützung benötigen. Außerdem übernimmt sie zeitaufwändige Recherchen für Firmen, Institutionen und Einzelpersonen. Alle Angebote: https://www.profi-wissen.de. In ihrem Blog finden Sie eine Reihe von Beiträgen rund um Recherche.

    Hast du auch ein spannendes Thema über das du einen Gastbeitrag schreiben möchtest? Schick mir eine Mail!


    Photo by João Silas on Unsplash

  • Wie ich LiquidText für meine Forschung nutze

    Wie ich LiquidText für meine Forschung nutze

    Wenn ich einen Text für Promotion oder Arbeit lese, geschieht das in der Regel auf meinem iPad mit dem Apple Pencil im Anschlag, um Passagen zu markieren oder Kommentare zu schreiben. Das hat viele Vorteile. Aber auch einen großen Nachteil: das Arbeiten mit mehreren Dokumenten gleichzeitig ist ziemlich umständlich. Wie schön wäre es doch, wenn man wie in guten alten Zeiten einfach alles vor sich auf dem Schreibtisch ausbreiten könnte. LiquidText adressiert dieses Problem und findet eine beeindruckende Lösung. Ein Erfahrungsbericht.

    Die Ausgangslage

    Wenn ich gerade nicht für diesen Blog schreibe, bin ich zum einen wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt, das sich mit Eliten und Führungspositionen in der bundesdeutschen Gesellschaft befasst. Zum anderen promoviere ich zu europäischer Migrationspolitik. Für beide Bereiche gleichermaßen gilt dabei, dass ich eher den qualitativen Teil sozialwissenschaftlicher Forschung abdecke. SPSS, Chi Quadrat und Korrelationsberechnungen sind weniger etwas für mich, ich fühle mich mit Leitfrageninterviews, Fokusgruppen und Grounded Theory deutlich wohler.

    Wer viel mit Interview-Daten arbeitet und qualitative Auswertungsverfahren anwendet, benötigt hierfür ein Programm, das ihn oder sie unterstützt. Natürlich wird es auch nach wie vor Forscher*innen geben, die das mit ausgedrucktem Papier und Textmarkern tun. Das Gros wird aber sicherlich auf Lösungen wie MaxQDA zurückgreifen, da es nicht nur die Arbeit erheblich vereinfacht, sondern auch schlicht hilft, wissenschaftliche Standards wie intersubjektive Nachvollziehbarkeit einzuhalten.

    Nun will man aber vielleicht nicht immer gleich eine komplette grounded theory analysis durchführen, sondern nur mal ein Gefühl für das generierte Material bekommen oder eine erste inhaltsanalytische Auswertung durchführen. Dies war bei mir der Fall, als ich vor einigen Wochen mehrere Fokusgruppen auswerten wollte, um die Ergebnisse auf einer Fachkonferenz vorzustellen. Es ging nicht darum, tiefgreifend oder gar theoriegenerierend das Material zu durchforsten. Ich wollte lediglich ein paar Grundmuster aus dem Material ableiten und mit entsprechenden Zitaten belegen. Für mich die perfekte Gelegenheit, LiquidText mal in „echter“ Umgebung zu testen.

    Was ist überhaupt das Problem?

    Wieso LiquidText? Was ist das überhaupt? Zunächst zum Ausgangsproblem. Neben den vielen Vorteilen, die PDFs mit sich bringen (einfaches annotieren, teilen, überall verfügbar, keine Papierverschwendung…) haben sie natürlich auch Nachteile. So wie einige Menschen es vermissen, wenn sie in eBooks nicht mehr blättern können (ich gehöre dazu), so wenig kann man eine PDF-Datei vor sich auf dem Schreibtisch ausbreiten, um das große Ganze in den Blick zu nehmen. Man ist immer auf die 10-15 Zoll Bildschirmdiagonale limitiert, die man gerade vor sich hat.

    Ein Problem ist das vor allem dann, wenn es um Verbindungen, Assoziationen und verteilte Fundstellen geht. Im konkreten Fall hatte ich Material aus acht Fokusgruppen mit je 40 bis 60 Minuten Diskussion zu bearbeiten. Es geht dabei darum, aus Seiten von Diskussionen wiederkehrende Motive aufzuspüren und ins Verhältnis miteinander zu setzen. Man muss dazu wissen, dass die Diskussionsgruppen sehr unterschiedlich zusammengesetzt waren, was Alter, formale Bildung, Wohnort, oder Art der Beschäftigung angeht. Wenn man diesen unterschiedlichen Gruppen nun die gleichen Fragen zu einem konkreten Thema stellt, lassen sich aus den Antworten interessante Rückschlüsse ziehen – sowohl wenn unterschiedliche sozio-ökonomische Gruppen die gleichen, als auch unterschiedliche Antworten geben.

    Aber wie gehe ich damit um, wenn ich dutzende Seiten Text miteinander vergleichen möchte, was ja per Definition schon das ständige Wechseln und Vergleich von Dokumenten voraussetzt? Normalerweise nutze ich PDF Expert auf meinem iPad und bin damit auch sehr zufrieden – so lang ich nur ein einziges PDF in den Blick nehmen möchte. Sobald es mehr sind, muss ich ständig zwischen Tabs hin- und herspringen. iPadOS 13 bringt immerhin die Möglichkeit, zwei Fenster der selben App nebeneinander anzeigen zu lassen, aber so richtig zufriedenstellend ist das für diese Aufgabe auch nicht. LiquidText ist hierfür eine bessere Lösung.

    Auch mit Splitscreen sind nur zwei Dokumente gleichzeitig möglich
    Klassische PDF-Reader (hier PDF Expert): Auch mit Splitscreen sind nur zwei Dokumente gleichzeitig möglich

    LiquidText kommt ins Spiel

    LiquidText ist jetzt nicht irgendein weiterer PDF-Reader, sondern hat einen ganz besonderen Twist, um sich abzuheben. Hier steht nämlich das gleichzeitige Arbeiten mit mehreren Dokumenten an vorderster Stelle. Zudem orientiert sich LiquidText an einer Arbeitsweise des Exzerpierens, also des Herauslösens relevanter Textstellen. Passagen sollen nicht einfach nur markiert werden, sondern man soll mit ihnen arbeiten, sie sammeln, neu arrangieren, mit eigenen Kommentaren versehen und so im Zusammenspiel verschiedener Quellen zu neuen Einsichten kommen.

    Der Clou liegt dabei im Wort Liquid – flüssig. PDFs lassen sich hier nämlich „zusammenschieben“, sodass nur noch die markierten Stellen sichtbar sind. Und da mehrere PDFs gleichzeitig in einem Projekt existieren können, lassen sich so auch auf einem iPad-Bildschirm mehrere Dokumente gleichzeitig vergleichen und bearbeiten. Die zusammengezogene Darstellung ist aber nur ein Teil der Magie von LiquidText. Der zweite Teil ist die Arbeitsfläche neben den eigentlichen Dokumenten befindet.

    Der Blick auf alle Anmerkungen - kompakt zusammengeschoben
    Der Blick auf alle Anmerkungen – kompakt zusammengeschoben

    Hier hat man völlig freie Hand. Man kann Textstellen sammeln, eigene Kommentare schreiben, Diagramme zeichnen und Beziehungen aufzeigen. Der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt.

    Das Besondere: Arbeitsfläche und PDFs sind nicht zwei getrennte Räume, sondern durchgängig miteinander verbunden. LiquidText funktioniert hier wie keine App, die ich vorher gesehen habe. Markiert man eine Stelle in einem Text oder umkreist sie mit dem Stift-Tool, kann man sie danach „ausschneiden“ und auf der Arbeitsfläche platzieren. Ausschneiden ist dabei eigentlich das falsche Wort, da die Stelle im Originaltext erhalten bleibt. Es wird aber genau das Stück Dokument repliziert, das man soeben markiert oder umkreist hat. Auf der Arbeitsfläche bleibt es dann über eine flexible „Nabelschnur“ mit dem Ausgangstext verbunden, sodass man zu jedem Zeitpunkt zur ursprünglichen Textstelle zurückspringen kann.

    Anteile von PDFs und Arbeitsfläche lassen sich beliebig verschieben
    Anteile von PDFs und Arbeitsfläche lassen sich beliebig verschieben

    Auf diesem Weise kann man auf der Arbeitsfläche Funde aus diversen Dokumenten miteinander in Beziehung setzen, diese kommentieren und durch eigene Gedanken weiter ausführen, ohne den ursprünglichen Bezug zu verlieren. Das ist ein fantastisches Konzept und hebt das Arbeiten mit mehreren PDFs auf eine ganz neue Stufe.

    Zusammenarbeit mit anderen

    Diese tiefgreifenden Veränderungen provozieren natürlich direkt die Frage nach einem möglichen Export und der Nutzbarmachung für andere. Das schöne am PDF-Format ist ja unter anderem seine Universalität und dass jeder jedes PDF-Dokument öffnen und lesen kann, sofern ersie nur über einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone verfügt. Und das ist hier in der Tat der schwierigste Part, da LiquidText ein eigenes Dateiformat nutzt, um seine Magie wirken zu lassen. Man legt hierfür ein Projekt im LiquidText-Format an und importiert dann die PDFs mit denen man arbeiten möchte. Diese Projektdatei ist dann nur in LiquidText nutzbar und somit auch nur auf dem iPad, da die App ausschließlich auf dem iPad läuft. Wer damit arbeiten möchte, MUSS das auf Apples Tablet tun.

    Was es allerdings gibt, sind umfangreiche Möglichkeiten zum Export. Neben der Möglichkeit, die LiquidText-Datei zu senden, kann man die eigenen Ergebnisse nämlich auch noch als Outline im docx/Word-Format und wiederum als aggregiertes PDF-Dokument exportieren. Die erste Variante ist dann interessant, wenn man wirklich nur die Kommentare, Markierungen und Exzerpte exportieren möchte. Man erhält hier ein Dokument, welches alle diese Stellen bündelt und nach Art und Ort sortiert auflistet.

    Der Export-Dialog
    Der Export-Dialog

    Noch interessanter finde ich aber die Möglichkeit, das gesamte Projekt als PDF zu exportieren. Hierbei werden alle PDFs im Projekt aneinandergereiht und zu einem großen PDF verbunden. Die Arbeitsfläche wiederum wird zur neuen ersten Seite und zeigt auf einen Blick alles, was man notiert, markiert oder exzerpiert hat. Der Clou: Alle Elemente auf der Arbeitsfläche bleiben weiterhin mit ihren Ursprüngen verbunden und sind mit klickbaren Links versehen, sodass man auch in einem gewöhnlichen PDF-Reader zur entsprechenden Stelle springen kann. So entsteht ein neues Dokument (die ehemalige Arbeitsfläche), in dem man Stellen aus verschiedenen Ausgangsdokumenten zusammenführen, kommentieren und mit eigenen Gedanken in Verbindung bringen kann. Die ursprünglichen Referenzen bleiben dabei erhalten und sind immer in Reichweite. Zusätztlich kann man sich aussuchen, ob Markierungen und Kommentare in den ursprünglichen PDF-Dokumenten gespiegelt werden sollen. Diese existieren nach Import in LiqudText quasi doppelt – im LiquidText-Dokument und wo auch immer so vorher schon auf der Festplatte lagen. Das eröffnet die Möglichkeit, mit einem Dokument in LiquidText zu arbeiten und es dennoch „unversehrt“ zu lassen – oder eben Annotationen direkt zu übertragen, ganz wie man möchte.

    LiquidText im Einsatz

    Wie habe ich nun konkret in diesem Fall gearbeitet? Zunächst hatte ich acht Transkripte, wovon ich jedoch drei aussortierte, da sie aus verschiedenen Gründen nicht so aussagekräftig für die Fragen waren, die mich interessierten. Es blieben also fünf Transkripte in Form von fünf PDF-Dateien übrig, die ich allesamt in ein neues LiquidText-Dokument importierte. Die PDFs können dabei einzeln angezeigt werden, die Arbeitsfläche rechts davon bleibt aber immer die selbe.

    Ich arbeitete mich nun durch jedes der fünf Transkripte, markierte interessante Zitate, versah sie mit Kommentaren und extrahierte sie aus dem Ursprungsdokument, um sie auf der Arbeitsfläche abzulegen. Nachdem ich dieses Prozedere für jedes der fünf Dokumente abgeschlossen hatte, begann die eigentlich spannende Arbeit. Auf meiner Arbeitsfläche lagen nun diverse Zitate, teilweise bereits kommentiert, teilweise einfach so und warteten, in eine sinnvolle Ordnung gebracht zu werden. PDFs und Arbeitsfläche lassen sich dabei dynamisch in ihrer Größe anpassen, sodass ich nun die Arbeitsfläche entsprechend vergrößerte und die PDFs auch Miniaturgröße schrumpfen.

    Diese Zitate klopfte ich nun auf gemeinsame Motive ab. Welche Antworten werden zu den jeweiligen Fragen gegeben? Gibt es Aussagen, die unabhängig von der konkreten Gruppe wiederkehren und auffallen? Wie lassen sich Aussagen mit Schlagworten und Kodes zusammenfassen? Wo treten Widersprüche auf und inwieweit lassen sich diese auf sozioökonomische Charakteristika der Teilnehmenden zurückführen? Durch diese enge Arbeit am Material entsteht nach und nach ein neues Dokument, eines das Einsichten ermöglicht, die aus den reinen Transkripten nicht möglich gewesen wären, da man die vielen Verbindungen, Motive und Gegensätze nur sieht, wenn man ein Stück zurücktritt und vor allem die Methode des Vergleichs bemüht.

    Nachdem ich auf diese Weise ein Auswertungsdokument geschaffen hatte, exportierte ich es in oben beschriebener Weise als PDF und konnte es an meine Kolleg*innen verschicken, die sich wiederum einen Eindruck von meinen Ergebnissen verschaffen konnten und dabei von der Verbindung von freier Arbeitsfläche und Ausgangsdokumenten profitierten, ohne dafür ein iPad und LiquidText haben zu müssen.

    Ein neuer Blick auf PDFs

    Was kann ich aus meiner ganz konkreten Arbeit mit LiquidText mitnehmen und anderen mitgeben? Ich kann sagen, dass mich diese App sehr in meinem Arbeitsalltag bereichert. Anders als andere PDF-Reader kopiert sie nicht nur ein Konzept aus der analogen Welt ins Digitale, sondern findet neue Wege, um die Möglichkeiten digitalen Arbeitens zu nutzen, vor allem aber die Limitierungen zu minimieren. Und das ist der springende Punkt. Ich saß oft vor meinem Tablet und versuchte sinnvoll mit mehreren PDFs gleichzeitig zu arbeiten. Es war immer ein nicht sonderlich zufriedenstellendes Erlebnis, das mich in meiner Produktivität eher einschränkte, als förderte. LiquidText behebt dieses Problem und fördert gleichzeitig meine Kreativität.

    Klar ist aber auch, dass es nicht mein Standard-PDF-Reader wird. Wenn ich einfach nur schnell einen Text lesen möchte, ohne intensiv damit zu arbeiten, werde ich nach wie vor auf PDF Expert zurückgreifen. PDF Expert sieht nicht nur schicker aus, es ist auch einfach ein klasse PDF Reader und da benötige ich nicht zwingend die gesamte Werkzeug-Palette, die mir LiquidText liefert. Sobald es aber um umfangreichere Text- und Quellenarbeit geht und vor allem wenn ich mit mehreren Dokumenten zugleich – beispielsweise vergleichend – arbeiten möchte, ist LiquidText meine neue Wunderwaffe.

     


    LiquidText kostet regulär 32,99€, aber lediglich 21,99€ für Studierende und andere, die für einen Bildungsrabatt infrage kommen.

  • Using Prizmo Go In a Long-Term Research Workflow – (The Sweet Setup) ➡️

    Letzte Woche schrieb Christian Forster hier einen Gastbeitrag zum Thema OCR-Apps für mobile Endgeräte. Prizmo Go kam dabei besonders gut weg. Vor ein paar Tagen bin ich dann auf folgenden Artikel gestoßen, in dem Josh Ginter über seinen Workflow mit Prizmo Go und KeepIt berichtet. Auch wenn ich selbst KeepIt nicht nutze, fand ich den Anwendungsfall spannend und möchte daher gern darauf hinweisen. Der Artikel ist allerdings auf englisch. Ginter schreibt:

    I imagine this working much the same for any student or any author completing research for a thesis or book. When researching from a physical book taken out from the library, Prizmo Go eliminates the need to have to type out an entire passage from a book. Instead, the only bit of typing required may be to properly quote the author and the book.

    Zum Originalartikel

  • Alles als PDF drucken – mit nur 2 Klicks

    Alles als PDF drucken – mit nur 2 Klicks

    Alles auf dem Mac mit nur zwei Klicks als PDF drucken. So geht’s

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  • Was ist ein Computer? iPadOS 13 vorgestellt

    Was ist ein Computer? iPadOS 13 vorgestellt

    Apples iPad macht mit iPad OS 13 einen riesigen Schritt nach vorn. Was ist neu? Was kann das neue Multitasking-System? Ist Safari endlich ein richtiger Browser? Und was hat es mit dem Dark Mode auf sich? Braucht man jetzt überhaupt noch einen „richtigen“ Computer? Wo verlaufen die Grenzen? Und spielt das noch eine Rolle? In diesem Artikel erfahrt ihr es.

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  • Basic Workflows #3: Backups

    Basic Workflows #3: Backups

    Als ich vor kurzem Interviewgast bei Katrin Wczasek sein durfte, kamen wir auf ein Thema zu sprechen, dass mich immer wieder umtreibt: Backups. Ich erlebe es so oft, dass Menschen keine Backups, sprich Sicherungen, ihrer Arbeit machen. Und in 95% der Fälle geht das auch gut. In den restlichen 5% aber nicht – und dann ist das Geschrei groß. Zeit also, das Thema in meiner Basic Workflows-Reihe zu behandeln. Es ist wirklich einfach — und so, so wichtig.

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  • Basic Workflows #2: Artikel später lesen

    Basic Workflows #2: Artikel später lesen

    Du willst einen Artikel lesen, nur halt nicht jetzt? In Teil 2 meiner Basic Workflow-Reihe zeige ich dir eine ganz einfache und vor allem schon eingebaute Möglichkeit, um genau das zu tun: Artikel später lesen. Keine extra Software, keine Kosten, kein Stress.

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  • Basic Workflows #1: Arbeiten mit PDFs

    Basic Workflows #1: Arbeiten mit PDFs

    Als ich letztens einen Vortrag über papierloses Studieren hielt, stellte mir eine Zuhörerin die Frage, wie man am besten PDFs zwischen einem Mac und einem iPad synchronisieren, sowie auf beiden Geräten bearbeiten könne. Ich möchte diese Frage heute beantworten und gleichzeitig eine neue Reihe auf diesem Blog starten.

    Basic Workflows: einfach, kostenlos & nützlich

    In dieser neuen Reihe werde ich in unregelmäßigen Abständen über grundlegende Workflows schreiben. Der Grund? Viele Nutzer*innen wollen mit ihren Geräten einfach nur effektiv arbeiten und sich nicht ewig in neuen Apps verlieren oder komplizierte Workflows lernen. Und vor allem möchten sie Apps nutzen, die schon an Bord sind und nicht extra gekauft werden müssen. Ich verstehe das und daher gibt es diese neue Kategorie.

    Die Bedingungen sind einfach: keine Drittapps (vielleicht mit der Ausnahme von Hilfsmitteln wie Dropbox zur Synchronisierung), keine extra Kosten und simple, aber sehr nützliche Arbeitsabläufe. Klar ist aber auch, dass ich immer nur über ausgewählte Betriebssysteme schreiben werde, da es anders gar nicht machbar ist. Zuletzt sollen die Artikel nicht zu lang werden und durch Screenshots und Screenflows, also kurze Videos, unterstützt werden. Und jetzt los mit dem ersten Teil!

    Für die Arbeit mit PDFs kann ich mir persönlich keine bessere Kombination als ein iPad mit Apple Pencil vorstellen. Auf diese Weise verbinde ich das beste aus der digitalen Welt mit den Vorteilen des Analogen. Ich kann direkt im Dokument arbeiten, Passagen markieren und handschriftlich kommentieren. Gleichzeitig muss ich auf die Vorteile der digitalen Welt nicht verzichten: Papierersparnis, einfache Teilbarkeit und immer dabei. Da sicher jede*r der oder die studiert und/oder forscht, mit PDFs zu tun hat, scheint es mir ein geeigneter erster Teil für diese regelmäßig unregelmäßig erscheinende Reihe hier auf dem Blog.

    Von A nach B: Einfach synchronisieren

    Ich gehe davon aus, dass du deine PDFs zwischen mindestens zwei Geräten synchronisieren möchtest. Solltest du alles auf einem einzigen Device erledigen, entfällt dieser Punkt natürlich. Mein Standard-Setup wäre hier allerdings ein iPad für unterwegs und einen Mac zuhause.

    Unter diesen Voraussetzungen ist die einfachste, da integrierte, Lösung iCloud. iCloud hatte lange den Ruf nicht verlässlich zu funktionieren, mittlerweile ist davon aber nichts geblieben. Ich nutze iCloud seit Jahren ohne jemals Daten verloren zu haben. Dazu bekommt man 5 GB gratis an Onlinespeicher und wer mehr benötigt, kann für relativ kleines Geld mehr bekommen. 200GB kosten 2,99€ im Monat, 1TB ist für 9,99€ zu haben. ich

    Angenommen ich lade nun einen Seminartext oder ein wissenschaftliches Paper auf meinem Mac herunter, wäre der nächste Schritt, ihn in einen Ordner zu verschieben, der mit iCloud synchronisiert wird, sodass er auch auf meinem iPad auftaucht. Hierfür könntest du z.B. eine Ordnerstruktur in iCloud anlegen, die deine Seminare und Vorlesungen widerspiegelt.

    Eine andere Möglichkeit ist es, einfach alles in den Dokumente-Ordner zu oder auf den Desktop zu verschieben. Damit das klappt, reicht es die Systemeinstellungen zu öffnen, den Punkt iCloud auszuwählen und dann ganz oben beim Punkt iCloud Drive auf Optionen zu klicken. Hier kann ausgewählt werden, welche Dateien und Dokumente über iCloud synchronisiert werden sollen; der erste Eintrag ist der für den Desktop und Dokumente-Ordner. Auf diese Weise wird alles was in diesen zwei Ordnern liegt automatisch synchronisiert.

    PDFs bearbeiten mit Bordmitteln

    Auch das eigentliche Bearbeiten ist völlig ohne Drittapps möglich, da Apple sowohl auf dem Mac, als auch dem iPad eine umfangreiche Vorschau-App zur Verfügung stellt. Der Name ist hierbei ziemlich irreführend, da man eben nicht nur einen schnellen Blick auf die Datei werfen kann. Stattdessen lässt sich richtig damit arbeiten.

    Die meisten werden die Vorschau-App auf dem Mac gar nicht als eigenständiges Programm wahrnehmen. Dabei ist sie ein ziemlich guter PDF-Reader. Solange man nur PDFs annotieren möchte, reicht diese Gratis-Lösung völlig aus. Man hat eine Textmarker-Funktion in verschiedenen Farben, kann unter- und durchstreichen, Freihandzeichungen und Textboxen oder Kommentare hinzufügen. Selbst Unterschriften können unter virtuelle Verträge gesetzt und Blätter extrahiert oder umgeordnet werden.

    PDF-Ansicht in Vorschau-App
    PDF-Ansicht in Vorschau-App

    Auch unter iOS gibt es mittlerweile ein Äquivalent. Dafür muss man einfach nur eine PDF-Datei antippen. Schon öffnet sie sich in der Vorschau-Ansicht. Dort kann man dann wie auf dem Mac schon relativ viel erledigen. Über das Stiftsymbol am rechten oberen Rand (direkt neben dem Sharesheet) können Annotationswerkzeuge aktiviert werden. Darunter ein Stift, Textmarker, Bleistift, Radierer und Lasso.

    Annotationswerkzeuge für PDFs unter iOS
    Annotationswerkzeuge für PDFs unter iOS

    Noch ein paar mehr Funktionen finden sich rechts unten beim eingekreisten Plus-Symbol. Dort kann man dann Textboxen, eine Unterschrift oder einen Lupeneffekt, sowie geometrische Formen hinzufügen. Alles in allem ist man mit Apples Bordmitteln sowohl auf dem Mac, als auch auf dem iPad schon richtig gut aufgestellt.

  • Die versteckteste Funktion in Apple Notes: das Lineal

    Die versteckteste Funktion in Apple Notes: das Lineal

    Apple Notizen App hat ein Lineal! Damit lassen sich perfekte Geraden mit dem Apple Pencil ziehen und so auch komplexe geometrische Figuren abbilden. Sie glaube, dass ich Ihnen einen Bären aufbinde? Ich muss Sie enttäuschen. Eine ähnliche Geschichte hat sich Anfang der 70er Jahre an der Westküste.. okay, Spaß beiseite.

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  • Ein Schritt zum Babelfisch: Online übersetzen

    Ein Schritt zum Babelfisch: Online übersetzen

    Wer das wunderbare Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams gelesen hat, wird auch den Babelfisch kennen. Diesen kann man sich ins Ohr einführen und fortan jegliche Sprache verstehen. Was für eine schöne Vorstellung — mal abgesehen davon, dass man einen Fisch im Ohr tragen müsste.

    Allerdings stellt sich dieses Problem eh nicht, es gibt leider keinen Babelfisch. Stattdessen existieren aber diverse Onlinedienste und Apps, die es sich zum Ziel gesetzt haben, alle möglichen Sprachen zu übersetzen. Die mit Abstand am meisten genutzte Möglichkeit dürfte der Google Translator sein. Das Problem ist, dass er nicht sonderlich gut ist. Vor allem bei komplexen Satzstrukturen, verheddert sich Google schnell.

    Übersetzungsqualität, bei der die Kinnlade herunterklappt

    Viel besser, und damit meine ich VIEL besser, funktioniert der Online-Dienst deepl.com. Die Seite ist sehr simpel, aber zweckführend aufgebaut. Links ein Feld für den Ausgangstext, rechts ein Feld für die Übersetzung. DeepL spricht dabei momentan sieben Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, sowie Polnisch. Das dürfte für die meisten ausreichend sein. Ich selbst nutze es im Normalfall für Übersetzung von Deutsch auf Englisch oder vice versa. Oftmals auch als Test für meine eigenen englischsprachigen Texte.

    Und das beste: der Service ist kostenlos. Man kann einfach Text übersetzen lassen. Darüber hinaus bietet DeepL aber auch verschiedene Abos an (DeepL Pro), die sich an Einzelnutzer*innen, Entwickler*innen oder Teams richtet und entsprechend unterschiedlich viel kosten. Der günstigste Tarif richtet sich an Einzelnutzer*innen und kostet 5,99€ pro Monat bei jährlicher Zahlweise. Dafür kann man aber nicht nur einzelne Textschnipsel, sondern ganze Dokumente übersetzen lassen — bei Bewahrung der Formatierung. Das wird zwar eine notarielle Übersetzung für Verträge u.ä. nicht ersetzen, dürfte aber dennoch für den ein oder die andere extrem interessant sein.

    Und was ist mit dem Datenschutz?

    Muss ich befürchten, dass meine Dokumente fortan auf den Servern von DeepL ihr Dasein fristen? DeepL sagt hier, dass bei einem DeepL Pro-Abo die Dokumente direkt nach Übersetzung gelöscht werden. Ich schätze, hier muss man der Firma vertrauen. Allerdings ist der Sitz von DeepL in Deutschland. Damit unterliegen sie der DSGVO und allen hier gültigen Regularien bezüglich Datenschutz. Das ist schon mal eine gute Nachricht. Ich konnte leider nicht in Erfahrung bringen, was mit den Textschnipseln passiert, die man übersetzen lässt.

    Man sollte also eventuell davon absehen, sehr vertrauliche Dokumente und/oder Textpassagen mit DeepL zu übersetzen. Für alles andere würde ich die Seite aber vorbehaltlos empfehlen. Die Übersetzungsqualität ist einfach großartig und erleichtert das mehrsprachige Arbeiten enorm.


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