Was ist ein Computer? iPad OS 13 vorgestellt

Apples iPad macht mit iPad OS 13 einen riesigen Schritt nach vorn. Was ist neu? Was kann das neue Multitasking-System? Ist Safari endlich ein richtiger Browser? Und was hat es mit dem Dark Mode auf sich? Braucht man jetzt überhaupt noch einen „richtigen“ Computer? Wo verlaufen die Grenzen? Und spielt das noch eine Rolle? In diesem Artikel erfahrt ihr es.

Apple hat mit einem Werbespot für das iPad hohe Wellen geschlagen. In diesem Spot sieht man ein Mädchen, das den ganzen Tag mit ihrem iPad unterwegs ist. Zuhause fragt die Mutter, was sie da auf ihrem Computer mache. Daraufhin fragt das Mädchen zurück: „What’s a computer?“ – Was ist ein Computer? Das mag übertrieben sein, aber die Grenzen verschwimmen, so viel sei vorweg genommen. Um besser zu verstehen, wie stark iPad OS 13 das Arbeiten auf dem iPad verändert, müssen wir zunächst zurückblicken.


Hier gibt es das gesamte Review als PDF zum Download.


Während meines Studiums begleiteten mich mehrere mobile Rechner. Ganz am Anfang stand das schrullig-schlechte Asus Transformer EEE Pad. Der Prozessor war so schwachbrüstig, dass ich immer auf den Cursor warten musste, wenn ich Buchstaben auf der Tastatur tippte (hier geht’s zum damaligen Review von The Verge… was für Zeiten!). Seitdem wurde es zum Glück deutlich besser. Zunächst mit einem MacBook Air ausgerüstet, arbeite ich nun seit etwa zwei Jahren nur noch mit meinem iPad Pro 12.9“ (2017), wenn ich unterwegs bin. Die einzige Veränderung betrifft die dazu genutzte Tastatur. Lange Zeit habe ich Apples Smart Keyboard* genutzt, mittlerweile bin ich bei Logitechs Slim Folio Pro* gelandet. Dazu kommt natürlich noch der Apple Pencil.

Die Gründe, die mich vom Macbook zum iPad gebracht haben, sind schnell benannt: Als Politikwissenschaftler lese ich sehr viele wissenschaftliche Paper und es gibt für mich nichts besseres, als Anmerkungen direkt im Dokument vorzunehmen. Komfortabel geht das aber nur mit einem Stift, weshalb ich unheimlich gern mit dem iPad und dem Apple Pencil arbeite. Ansonsten schreibe ich vorrangig, wenn ich unterwegs bin; sei es für die Wissenschaft oder meinen Blog. Hinzu kommt das übliche Tagesgeschäft: Mails, surfen, Medienkonsum. Für diese Zwecke ist das Paket aus Tablet, Tastatur und Stift unschlagbar. Wer zusätzlich noch die LTE-Version gekauft hat, kommt auch noch in den Genuss, unabhängig von schlechten, nicht vertrauenswürdigen, oder gar nicht erst vorhandenen WLANs zu sein.

Der Homescreen in iPad OS 13 hat Platz für mehr Icons und ständig angezeigte Widgets

Aber natürlich ist jede Story ohne Haken am Ende Propaganda. Mit anderen Worten: Natürlich stoße ich mit dem iPad und iOS 12 an Grenzen. Diese tun mir mal mehr, mal weniger weh. Oft gibt es Umwege, die das Arbeiten nur ein wenig umständlicher machen, manchmal geht es aber auch einfach nicht weiter. Manches davon ist iOS anzulasten, anderes den Software-Entwickler*innen, die in iOS keine vollwertige Plattform sehen oder schlicht andere Prioritäten setzen. Die größten Probleme tun sich für mich immer dann auf, wenn Apps nur rudimentäre Begleiter ihrer großen Vorbilder auf dem Mac sind. Das wird zum Glück immer weniger, kommt aber nach wie vor (zu häufig) vor. 

Ein gutes Beispiel ist MaxQDA, ein Programm für die qualitative Analyse von Textdaten, das in den Sozialwissenschaften weit verbreitet ist. Auf dem Mac ist das ein tolles Programm, das die tägliche Forschung mit Interviewdaten erheblich vereinfacht. Auf dem iPad ist die App leider ziemlicher Schrott, obwohl das eigentlich überhaupt nicht sein müsste. Die eigentlichen Aufgaben, die die App auf dem Mac erfüllt, könnten an und für sich ganz hervorragend auch auf dem iPad geschehen. Apps wie LiquidText oder Margin Note zeigen, wie produktives Arbeiten mit mehreren PDF-Files auf dem iPad aussehen kann. Es ist einfach nur so, dass einer iPad-App hier keine Priorität eingeräumt wird und das ist äußerst schade.

Andere Hürden sind deutlich massiver und können auch nicht einfach mit einem App-Update überwunden werden: Wer z.B. auf dem iPad programmieren möchte, wird schnell feststellen, dass das nicht klappt. iOS ist stark auf Sicherheit bedacht, weshalb die einzelnen Apps in von einander getrennten Containern laufen und auch keinen echten Zugriff auf das Betriebssystem haben. Im Endeffekt bedeutet das, dass Programmcode nicht zu einem fertigen Programm kompiliert werden kann. Programmieren ist so nicht möglich.

Andere Hürden sind der Umgang mit externen Speichermedien (Festplatten oder USB-Sticks werden nicht erkannt unter iOS12) oder der Safari-Browser, der bisher nur eine beschnittene Version des Mac-Safaris war. Statt die „richtige“ Desktop-Seite anzufordern, wurde immer die mobile Seite geladen und selbst wenn man manuell wechselte, wurden Website-Elemente oftmals nicht korrekt erkannt. Manche Websites funktionierten dann einfach nicht, egal was man tat. Auch das Downloaden von Dateien war praktisch unmöglich, wenn man keine Drittlösung wie den iCab-Browser nutzte.

Alles in allem war das iPad mit iOS 12 für mich mein 80%-Rechner. Vieles funktionierte perfekt und sogar besser, als es auf einem Mac möglich wäre. Manches war über Umwege oder mit kleinen Hürden möglich. Und nur weniges, eben ca. 10-20% meiner Arbeit waren wirklich nicht möglich und erfordern einen Mac oder Windows-Rechner.

Mit iOS 13, bzw. eigentlich iPad OS 13 wie es nun heißt, macht Apple einen ganz großen Schritt nach vorn. Die Verbesserungen sind massiv und vielfältig. Das iPad wird ist spätestens jetzt eine sehr, sehr ernstzunehmende Alternative zu Laptops und kann – je nach Studiengang und sonstigem Einsatzzweck – für ein gesamtes Studium eine Lösung sein. Aber wie gut eignet sich das iPad nun wirklich als alltägliches Arbeitsmittel? Davon berichte ich in diesem Artikel. 

4 Kommentare

  1. Hallo,

    der Artikel ist echt umfassend geworden – zeigt sich dabei aber durchgehend nachvollziehbar und gut zu lesen. Vielen Dank dafür :).

    Einen wichtigen Punkt vermisse ich jedoch – wie hat sich die Funktionalität als Präsentiergerät durch IOS 13 verändert: nutzen Sie das Ipad für Präsentationen von wissenschaftlichen Arbeiten, wie ist die Kompabilität mit Beamern und zum Beispiel dem Logitech Magicpresenter? Oder fallen diese Funktionen eher in den Bereich der letzten fehlenden 5% als Computerersatz?

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

    1. Hallo Kadric, vielen Dank für den netten Kommentar und die Nachfrage. Das ist in der Tat ein guter Punkt, den ich aber schlicht ausgelassen habe, weil ich das iPad (noch) nicht dafür nutze. Ich habe noch ein 2017er iPad Pro mit Lightning-Anschluss und wollte bisher ungern das Geld für einen entsprechenden Adapter ausgeben, wenn er bald wieder obsolet ist. Sobald ich aber ein iPad mit USB-C Anschluss habe, werde ich das garantiert tun und dann auch zu diesem Thema schreiben. An sich sollte das iPad sehr gut geeignet sein, GoodNotes hat z.B. kürzlich einen Presenter Mode eingebaut mit dem sich Dinge auf Slides zeigen lassen, ähnlich wie mit einem Laserpointer. Von daher – ja, noch fällt es unter die 5%, aber nicht weil es nicht geht, sondern einfach weil es bei mir noch nicht geht. Ich bleibe aber dran und schreibe zu gegebener Zeit darüber.

  2. Hallo,
    mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen.
    Ich bin nur endlich auch Besitzer eines iPad (Pro) und kann die tollen neuen Funktionen wie Slide View nutzen.
    Ich habe folgendes Szenario. Man hat zb Safari und Notizen im Dock. Ich öffne Safari, ziehe das Dock hoch, halte kurz das Notiz Symbol fest und schiebe es in die Slide View. So weit so gut und das klappt auch perfekt..
    Was mache ich aber, wenn das App welches ich in Slide View nutzen möchte NICHT im Dock ist? Nehmen wir an ich möchte nun die Dateien App als Slide View nutzen mit Safari. Dateien befindet sich aber auf dem Home Screen. Also hilft mir hier das Dock nicht weiter. Und wenn ich Safari mit einem Wisch nach oben „schließ“ kann ich die App Dateien vom Home Screen ja nicht in die Slide View ziehen. Ich behelfe mir im Moment damit, dass ich ich erst das App welches nicht im Dock ist öffne, dann Safari in den Split View Modus mit Dateien bringe und dann wieder die Dateien App „anpacke“ und in die Slide View Ansicht schiebe. Nicht schön aber funktioniert. Jetzt könnte man sage, dann schieb dir doch Dateien auch ins Dock, aber das Dock hat ja auch eine Begrenzung und ich kann ja nicht alle Apps in das Dock ziehen.

    Gibt es hier noch eine andere Möglichkeit oder gibt es da Erfahrungswerte?
    Vielen Dank

    1. Hallo, vielen Dank für die Frage, die beschäftigt tatsächlich viele. Ich finde auch, dass Apple das nicht gut gelöst hat, zumindest wenn man das iPad ohne Tastatur nutzt. Zum Glück gibt es trotzdem ein paar Lösungen und ich hoffe eine davon passt für Sie. 1) Am einfachsten ist es, wenn man eine Tastatur nutzt. Ein Klick auf cmd+Leertaste öffnet Spotlight und man kann die entsprechende App suchen und dann in Splitview ziehen. 2) Die von Ihnen genannte Lösung. Nicht schön, funktioniert aber. 3) Sie können auch ganze Ordner im Dock ablegen und dort dann so viele Apps reinpacken wie sie möchten. Ich habe z.B. einen Ordner im Dock mit all den Apps, die ich ziemlich häufig nutze. Die ständig genutzten sind normal im Dock, die „2. Reihe“ in diesem Ordner. So blockiere ich nur einen Slot im Dock, habe aber dennoch Zugriff. Und nur Apps, die ich für gewöhnlich eh nicht in Splitview oder Slideover nutze (z.B. Medien-Apps) oder selten genutzte Apps sind auf dem Homescreen. Die Mischung aus 1 und 3 funktioniert ziemlich gut für mich, wobei ich auch sagen muss, dass ich fast immer eine Tastatur nutze. Es wäre wirklich hilfreich, wenn man Spotlight auch ohne Tastatur einfacher nutzen könnte. Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig helfen!

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