Papierlos mitschreiben! Aber wie? (Update Juli 2019)

Eine der wichtigsten Fragen, die sich für ein papierloses Studium stellt, ist die nach dem Mitschreiben. Welche Hardware-Lösung für Vorlesungen und Seminare am meisten Sinn machen, erfahrt ihr in diesem Artikel.


Disclaimer: Ich habe diesen Artikel zum ersten Mal im Mai 2018 geschrieben. Da die Tech-Branche sehr schnelllebig ist, tut sich in über einem Jahr natürlich viel. Deshalb werde meine Empfehlungen auch immer wieder updaten. Momentan ist der Beitrag vom Stand Juli 2019.

Die naheliegende Lösung: Laptop

Die meisten werden wohl schlicht auf einen Laptop zurückgreifen. Blickt man einmal in einen beliebigen Hörsaal, so sieht man dort viele, viele MacBooks (im Normalfall MacBook Airs), ergänzt durch das ein oder andere Samsung-Gerät, seltener Lenovos oder anderes. Das macht auch durchaus Sinn, sind doch die Meisten nach wie vor auf Laptops gepolt, da Tablets ja nur amputierte Computer seien. Beim Thema Mitschriften verhält es sich aber genau umgekehrt. Man kann zwar bei entsprechender Übung sehr schnell mitschreiben, beim Annotieren von Folien wird es aber direkt problematisch. Möchte man dann eventuell mal noch eine Grafik oder ein Diagramm hinzufügen, ist man schnell aufgeschmissen. Eh man solche Elemente mit Maus und Tastatur nachgebaut hat, ist der oder die Professor*in längst beim nächsten Thema.

Die bessere Lösung: Tablet mit Tastatur und Stift

Beim Thema Diagramme/Grafiken/Zeichnungen, zeigt sich, dass früher eben doch nicht alles schlechter war. Mit etwas Übung bekommt fast jede*r ein brauchbares Diagramm in kürzester Zeit aufs Papier. Um auch papierlos in dieser Hinsicht effektiv zu sein, empfehle ich deshalb eine Kombination aus Tablet, Tastatur und entsprechendem Eingabestift. Dieses Trio verbindet alle Vorteile: Mit einer (Bluetooth-)Tastatur kann man genauso schnell mitschreiben, wie mit einer Laptop-Tastatur. Der Stift ermöglicht Zeichnen oder auch das direkte handschriftliche Mitschreiben und dazu ist alles direkt digital, wie es sein soll. Natürlich kann man auch beispielsweise GoodNotes nutzen, um direkt die Folien der Vorlesung zu annotieren. Wie das am besten geht, habe ich hier beschrieben.

Der Königsweg (Stand: Juli 2019): iPad Air (549€)

Ich sehe zu Beginn eine Grundsatzentscheidung: Apple oder Microsoft? Auf dem Tablet-Markt dominiert Apple mit seinen iPads den Markt deutlich. Dieser Umstand geht nicht (nur) auf gutes Marketing zurück, sondern in erster Linie auf top Qualität, die – man glaubt es kaum – mit einem ziemlich guten Preis-Leistungsverhältnis einhergeht. Dazu später mehr. Grundsätzlich weisen iPads eine sehr gute Verarbeitungsqualität auf, haben nützliche und umfangreiche Apps direkt an Bord, werden über viele Jahre mit Software-Updates unterstützt und profitieren von der Integration von Hard- und Software.

Hauptkonkurrent ist für mich Microsoft mit seiner Surface-Reihe. Auch Surface Tablets sind qualitativ hochwertig und haben den Vorteil, „echtes“ Windows laufen zu haben, was sicherlich ein Pluspunkt ist, wenn man zuhause noch einen weiteren Windows-Rechner zu stehen hat. Allerdings bietet Microsoft im günstigeren Bereich (<800€) ziemlich wenig an. Das ist ein Problem, da die wenigsten nur mit einem Tablet arbeiten wollen oder können. Viele werden wohl noch einen Laptop oder Desktop-Rechner haben und das Tablet dient nur zum Lesen, Mitschreiben und Konsumieren von Medien. Ergo spielt der Preis natürlich eine herausgehobene Rolle.1

Was ist nun also meine aktuelle Empfehlung? Die Antwort ist etwas differenziert. Apple hat – neben dem iPad Pro, das ich hier aus Kostengründen raus lasse – drei iPads im Angebot: das iPad ohne Namenszusatz mit einem 9,7 Zoll großen Display, das iPad Air, sowie das iPad Mini. Alle drei unterstützen den Apple Pencil der ersten Generation und sind somit zum digitalen Mitschreiben geeignet. Der größte Unterschied ist die Größe. Hier muss man wissen (oder am besten im Geschäft ausprobieren), welche Display-Größe man bevorzugt.

In Sachen Performance hat man bei allen Versionen mehr als genügend Spielraum. Die eingebauten Prozessoren werden auch in Jahren noch gut genug sein, um Standard-Apps locker laufen zu lassen. Allerdings sollte man nicht verschweigen, dass das iPad 9,7“ seit dem Update/Start vor über einem Jahr im März 2018 kein Update erhalten hat. Während das iPad Air einen aktuellen A12-Chip als Prozessor beinhaltet und das iPad Mini sogar mit dem noch neueren A12 Bionic-Chip (der gleiche wie im iPhone XS) daherkommt, steckt im normalen iPad noch ein A10-Chip. Das ist der gleiche, der auch im iPhone 7 und 7 Plus war. Das ist kein Ausschlusskriterium, spendiert Apple seinen Geräten doch oft fünf oder sogar sechs Jahre an Updates, man sollte es aber auf dem Schirm haben.

Außerdem hat das iPad 9,7“ keine Möglichkeit, Apples Smart Keyboard anzuschließen und teilt sich damit ein Los mit dem iPad Mini. Nur das iPad Air ist mit Apples eigenem Tastatur-Cover kompatibel. Hier muss man also auf eine Drittanbieterlösung zurückgreifen, die über Bluetooth funktioniert. Ein echtes Problem ist das aber nicht, ich selbst nutze eine Tastaturhülle von Logitech, die hervorragend funktioniert. Zudem ist das Apple Smart Keyboard mit 179€ sehr teuer. Ich kann leider keine echte Empfehlung für eine Bluetooth-Tastatur oder ein Tastatur-Cover geben, dafür sind einfach zu viele auf dem Markt. Logitech ist aber sicher eine gute Firma, um etwas zu finden.

Hat man sich für eine Größe entschieden, sollte man gut überlegen, wie viel Gigabyte internen Speicher man benötigt. Meine Faustregel wäre hier, dass 32GB zu wenig sind, 64GB funktionieren kann und es ab 128GB komfortabel wird. Schaut einfach mal auf eure Smartphones und guckt, wie viel internen Speicher ihr da belegt, das sollte ein ganz guter Indikator sein. Letztlich muss man noch wissen, ob man LTE benötigt, oder ob Wifi reicht. Für die meisten wird es Wifi wohl tun, nur wer wirklich viel unterwegs ist, sollte über LTE nachdenken.

Zwingend notwendig ist natürlich der Kauf eines Eingabestiftes und hier gibt es zwei sinnvolle Möglichkeiten: den Apple Pencil oder den Logitech Crayon*. Für den Pencil werden seit einer Preissenkung 99€ fällig, der Crayon kostet 70€. Im Funktionsumfang unterscheiden die beiden Stifte nur die Druckempfindlichkeit. Der Apple Pencil kann erkennen, wie sehr man beim Schreiben oder Malen aufdrückt, der Crayon ist dazu nicht in der Lage.

Vorausgesetzt man möchte ein iPad, stellt sich letztlich für die meisten wohl die Frage, ob man das günstigere iPad 9,7“ möchte, welches nicht mehr ganz aktuell, aber absolut leistungsfähig ist, oder doch lieber in noch mehr Zukunftssicherheit investiert und ein iPad Air kauft. Nur für wen Kompaktheit das absolute A und O ist, sollte einen Blick auf das iPad Mini werfen.

Das Surface Go als Windows-Alternative

Bleibt noch die Surface-Reihe von Microsoft. Da ich selbst nie ein Surface genutzt habe, kann ich keine persönlichen Erfahrungen schildern, Testberichte lassen aber darauf schließen, dass sie eine echte Alternative sind. Es lohnt sich also zumindest mal ein Blick ins Windows-Land. Dass Microsoft richtig gute mobile Qualität bieten kann, zeigen die Office-Apps für iOS, die zum Besten gehören, was man auf iOS finden kann. Allerdings bietet Microsoft mit dem Surface Go nur ein halbwegs günstiges Gerät. Das Surface Pro oder Surface Book reihen sich deutlich über 1000€ ein.

Das Surface Go scheint auf den ersten Blick praktisch zu sein für den mobilen Einsatz, da es einen eingebauten Ständer mitbringt, der sich ausklappen lässt. Allerdings kann es in Sachen Performance nicht mit den iPads, nicht mal mit dem günstigsten mithalten. Der Bildschirm ist 10 Zoll groß und damit in der Mitte vom Einsteiger-iPad (2018) und dem iPad Air. Wer glaubt, mit Microsoft sparen zu können, liegt falsch – vor allem wenn man die deutlich geringere Performance bedenkt. Das Modell mit 64GB kostet 429€, für 549€ bekommt man 128GB. Das Tastaturcover (Surface Go Signature Type Cover) kostet zusätzlich knapp 130€ – immerhin hier spart man im Vergleich zu Apple. Beim Stift muss man dafür sogar etwas drauflegen: der Surface Pen kostet 109,99€ im Microsoft Store. Einen ausführlichen Testbericht findet ihr hier. Als Entscheidungshilfe habe ich in der folgenden Tabelle eine Übersicht erstellt:

Modell iPad (2018) iPad Air iPad Mini Surface Go
Displaygröße 9,7“ 10,5“ 7,9“ 10“
Prozessor A10 A 12 A 12 Bionic Intel 4415Y
Speichergrößen 32GB/128GB 64/256GB 64/256GB 64/128GB
Preise 349/439€ 549/719€ 449/619€ 429/549€

Preisleistungssieger iPad

Im Sommer 2019 kann man die Frage: Papierlos mitschreiben, aber wie? relativ einfach beantworten. Wer einen Begleiter für unterwegs sucht und keine All-in-One-Lösung sollte sich ein iPad kaufen. Verarbeitung, Performance und Werterhalt überzeugen hier. Zudem ist Apple ausnahmsweise mal eindeutiger Preisleistungssieger. Wer hätte das gedacht! Zudem können Studierende sparen, wenn sie Apples Education-Programm nutzen oder von einem Reseller wie Mactrade kaufen.

Wer in erster Linie auf den Preis schaut, sollte über das 2018er iPad nachdenken, alle anderen lieber über das iPad Air. Das Surface Go dürfte für diejenigen eine Alternative sein, die Windows brauchen oder wollen und ein wenig auf Performance verzichten können. Sparen wird man hier aber nicht. Möglicherweise lohnt es sich dann eher, eine Gesamtlösung bei den teureren Vertretern der Surface-Reihe zu suchen.

  • Wieso ich nicht über Android schreibe: Android-Tablets halte ich allerdings für ungeeignet. Hier gibt der Markt einfach nichts Gutes her. Auf dem Telefon mag Android für viele eine Alternative zu iOS sein und einige Android Phones sind sogar interessant. Auf dem Tablet-Markt sehe ich aber nichts, was hier Sinn macht. Die wenigen Android-Tablet, die halbwegs gut sind, kosten nicht weniger als ein iPad, womit auch ein möglicher Preisvorteil wegfällt. Zudem unterstützen die Hersteller ihre Geräte oft nur ein oder zwei Jahre mit neuen Android-Versionen. Das ist ärgerlich, da noch funktionstüchtige Hardware keine neuen Features bekommt und zusätzlich schnell an Wert verliert. 
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    3 Kommentare

    1. Ich finde ehrlich gesagt, dass hier eine recht wichtige Variante fehlt – die Convertibles. Ich besitze ein nicht gerade günstiges Lenovo Yoga, da ich Informatik studiere, und es ist wirklich sehr angenehm. Man kann sowohl tippen bei Programmierübungen, aber auch mit dem Stift kurze Anmerkungen machen, etwas malen oder ganz mitschreiben.
      Bei den Kosten liegt man dabei halt zwischen einem teuren iPad und einem Ultrabook (also knapp 1000-2000 Euro).

      Das einzige, was wirklich fehlt, ist die GoodNotes-App 😉

      1. Spannender Punkt, danke für den Hinweis! Das Sein bestimmt eben das Bewusstsein und da ich selbst kein Convertible nutze, taucht es auch nicht im Artikel auf. 😉 Aber da es ja eine sehr zentrale Frage für ein Blog über papierloses Arbeiten ist, wird es sicherlich mal einen Nachfolgeartikel geben – dann auch mit Convertibles. 🙂 Welches Programm nutzt du denn vorrangig?

        1. Ja, das stimmt. dazu sind Convertibles ohnehin noch nicht so alt, dass sie jeder gut kennen würde.

          Momentan noch ungeschlagen ist OneNote (abgesehen von der recht dürftigen Umwandlung von Handschrift in Text), da man darin so gut wie alles machen kann, auch mathematische Formeln sind relativ gut zu tippen. Man kann darin ja auch das ganze Skript oder die Folien einfügen und Anmerkungen machen. Kommt aber darauf an, wie sehr sie die App-Version verbessern, da es im neuen Office-Paket kein OneNote mehr geben wird.
          Für Handschriftliches finde ich derzeit MyScript Nebo auch nicht schlecht, das liest selbst den schnell hingekritzelten Satz noch relativ gut und wandelt ihn in normalen Text um, sodass man es danach in ein Word- oder PDF-File umwandeln kann.

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