GoodNotes 5 im Test – treuer Begleiter im papierlosen Büro

Die bekannte App für handschriftliche Notizen GoodNotes ist in Version 5 erschienen. Ich habe einen Blick darauf geworfen und sage, ob sich das Update lohnt.

Ich habe nie sonderlich viel per Hand geschrieben, zumindest nach der Schule, als ich das selbst beeinflussen konnte. Die Vorteile digitalen Mitschreibens hatten mich einfach schon sehr früh überzeugt: Durchsuchbarkeit, Backups, alles immer dabei. Meine wirklich unschöne Handschrift hat sicherlich auch etwas damit zu tun.

Trotz allem mag ich es, ab und zu handschriftlich zu schreiben. Vor allem, wenn ich neue Projekte konzipiere, fällt es mir manchmal leichter, die Ideen per Hand zu notieren. Aber natürlich möchte ich deswegen nicht wieder Papier anhäufen und entgegen meiner Maxime des papierlosen Büros handeln. Die Lösung für dieses kleine Dilemma war seit Beginn GoodNotes. Direkt zu Beginn war auch noch Notability im Rennen, mir gefiel aber das Schriftbild von GoodNotes deutlich besser, sodass die Entscheidung schnell gefallen war. Seitdem tummelt sich die App auf meinem iPad. Andere Apps kommen zwar deutlich regelmäßiger bei mir zum Einsatz, trotzdem ist sie nicht wegzudenken. Völlig klar also, dass ich mir die neue Hauptversion 5 mal genauer anschauen musste.

Starke Ergebnisse in der Kerndisziplin

Wer schon mal mit dem Apple Pencil auf PDF-Dateien geschrieben hat, wird festgestellt haben, dass das Schriftbild nicht sonderlich schön ist. iOS glättet hier nichts und wer — so wie ich — einfach keine schöne Handschrift hat, bekommt auch keine Unterstützung. Das war bei GoodNotes seit jeher anders. Die Schreibengine, die die Stifteingabe in Schrift umsetzt, korrigiert behutsam und führt so zu einem angenehmeren Schriftbild. Das hat sich in Version 5 nicht geändert. Eventuell ist die Glättung in der neuen Version minimal geringer geworden, einen wirklichen Unterschied vermag ich aber nicht festzustellen.

Ansonsten gibt es hier nichts auszusetzen. Eine Latenz ist dank 120-Herz-Display nicht spürbar und so merkt man keinen Unterschied zu schreiben auf Papier — mit Ausnahme des geringeren Widerstands natürlich, aber das wird keine App der Welt lösen können, da man eben nicht auf Papier, sondern auf Glas schreibt.

Nun möchte man natürlich nicht immer nur mit dem Kugelschreiber schreiben. Sondern vielleicht auch mal einen Füller nutzen. Oder einen Bleistift. Oder gar einen Textmarker oder Buntstift. Geht das? Und wenn ja, wie gut ist das Ergebnis? Ich hab einfach mal ein wenig herum experimentiert. Das sind die Ergebnisse:

Die Unterschiede sind also nicht sonderlich signifikant. Am ehesten fällt noch der Pinsel auf. Gerade wenn man hier mit Farbe und Stiftdicke experimentiert, kann man das Schriftbild deutlich verändern. Einen Bleistift sucht man aber vergebens und das kreide ich GoodNotes an. Wer gern mit einem digitalen Bleistift arbeiten möchte, muss diesen entweder imitieren (durch eine entsprechende Farbwahl), wird damit aber nicht wirklich glücklich. Apple Notes bietet dies ganz selbstverständlich.

Von einem Tiefpunkt möchte ich aber zu einem altbekannten Highlight der App kommen: der Geometriefunktion. Hiermit werden Freihandstriche begradigt bzw. an geometrische Figuren angepasst. So kann perfekte Kreise, Vier- und Dreiecke, oder auch nur gerade Linien ziehen. Wofür man beim analogen Zeichnen Lineal und Zirkel bräuchte, muss man in GoodNotes nur einen Button klicken. Ich finde diese Funktion fantastisch und nutze sie permanent. Oft ziehe ich so Tabellen oder unterstreiche Überschriften.

Ein zweites altbekanntes Feature ist das Zoomfenster. Man kann damit einen Teil des Dokuments vergrößert darstellen, um leichter schreiben zu können. Spätestens seitdem ich ein iPad Pro mit 12,9 Zoll Displaygröße verwende, spielt das Zoomfenster keine Rolle mehr für mich. Wer aber auf kleineren iPads schreibt, hat hierfür mit Sicherheit Verwendung. Es erleichtert das Schreiben schon ganz enorm und ermöglicht es, deutlich mehr Inhalt auf einer Seite unterzubringen. Man kann aber auch einfach per Hand zoomen.

Ordner, Notizbücher, Tabs — und die Suche

Schreiben und Zeichnen ist das eine, Organisation das andere. Was nützen mir die schönsten Mitschriften, wenn ich sie nicht schnell wiederfinden kann? Hier macht GoodNotes viel richtig. Generell sind die einzelnen Seiten in Notizbüchern organisiert, also ganz so wie man es auch analog handhaben würde. Das halte ich für eine sehr gelungene UI-Entscheidung, da es ein bekanntes und gut funktionierendes Prinzip ins Digitale überführt.

Darüber hinaus können Notizbücher in Ordnern zusammengefasst werden. Hier ist die Anleihe zum Analogen zwar etwas brüchig, aber das Prinzip versteht dennoch jede*r intuitiv. In GoodNotes 4 waren Ordner noch Kategorien und außer der Terminologie hat sich auch nichts geändert. Dennoch empfinde ich die neue Variante als sinnvoller. Mir erschließt sich ein Denken in Ordnern hier eher als in Kategorien. Insbesondere ist das der Fall, da hier stärker visualisiert wird als zuvor. Die Kategorien in GoodNotes 4 waren in einem Listenmenü dargestellt, nun hat man Ordnersymbole. Eigentlich nur eine winzige Veränderung, die die Navigation aber sofort und spürbar verbessert.

Ebenfalls schon in Version 4 vorhanden, nun aber deutlich prominenter platziert ist die Suche. Die war vorher in Menüs versteckt. Jetzt hat man ihr ein eigenes Symbol spendiert, was den Zugriff deutlich erleichtert. Ehrlich gesagt, war mir nicht einmal bewusst, dass es diese Suche in GoodNotes 4 gibt, bis ich im Zuge der Recherche für diesen Artikel danach gesucht habe.

Überhaupt scheint man einen Fokus auf das App-Design gelegt zu haben. Technisch hat sich nämlich gar nicht so viel geändert — was gut ist, war GoodNotes doch schon vorher eine hervorragende App. Jetzt scheint man sich aber hingesetzt zu haben, um ein frischeres und vor allem intuitiveres Design zu entwickeln. Das ist gelungen. Ein besonders gutes Beispiel ist die nun erfolgte Trennung von Menüleiste und Schreibwerkzeugen. In Version 4 tummelte sich neben den Stiften, Radiergummis etc. beispielsweise auch noch der Übersichtsbutton in der gleichen Leiste. Mit dem Update gibt es eine Leiste für Übersicht, Suche, das Setzen eines Lesezeichens etc. und eine extra Leiste mit allen Schreibwerkzeugen.

All die kleinen Details

GoodNotes wäre nicht GoodNotes, wenn es nicht auch noch ein paar kleine Extrafeatures hätte, die sehr praktisch daherkommen. Man kann nämlich auch Bilder oder Maschinenschrift einfügen und so Materialcollagen anlegen. Wer hier genügend Zeit und Kreativität investiert, kann wahre Kunstwerke zusammen basteln. Für Inspiration empfehle ich den Instagram-Account von GoodNotes (ich bin übrigens auch auf Instagram unterwegs 😉).

Genauso gut lassen sich auch PDFs importieren, die in der Folge natürlich anmontiert werden können. GoodNotes kann also auch als einfache PDF-Anwendung genutzt werden. Das ist gerade für Menschen sinnvoll, die viel verschiedenes Material an einem Ort bündeln wollen: Studierende, die auf eine Prüfung lernen oder an ihrer Abschlussarbeit schreiben, aber sicher auch alle anderen, die an großen Projekten arbeiten. Für GoodNotes 4 habe ich zu diesem Thema auch schon mal einen kürzeren Artikel geschrieben.

Besonders toll finde ich, dass man nach wie vor die Blattvorlage ändern kann. Kariert, liniert, oder komplett blanko? Kein Problem. Auch ausgefallenere Designs sind integriert, wie z.B. Notenpapier oder Cornell-Notizen. Und sollte mal etwas nicht verfügbar sein, kann man immer noch selbst das gewünschte Papier einscannen und als Vorlage importieren.

Ein drittes Feature, das ich noch gern erwähnen möchte, ist die Umwandlung von Hand- in Maschinenschrift. Dazu wählt man das Lasso-Tool aus und umkreist dann alles, was man umwandeln möchte. Mit einem Tap auf die Auswahl erscheint ein Kontextmenü, dass das Umwandeln ermöglicht. Die dann umgewandelte Handschrift kann in der Folge über das Teilen-Menü weiterverwendet werden. Die Qualität ist meiner Erfahrung nach sehr unterschiedlich. Überhaupt nicht umgehen kann die Engine mit schief geschriebenem Text. Auch Listen werden oft nicht gut umgesetzt, da Bulletpoints meist nicht korrekt erfasst, sondern als Buchstaben interpretiert werden. Wenn man aber nur auf einer Linie schreibt und auch noch eine akzeptable Handschrift hat, kann die Umwandlung auch überraschend gute Resultate erzeugen.

Fazit: Funktional weitgehend gleich, großes Update fürs Design

GoodNotes 5 ist eine tolle Weiterentwicklung und absolut zu empfehlen. Funktional hat sich zwar wenig getan, das neue Design führt aber zu einem Gefühl, eine neue App in Händen zu halten. Es wirkt einfach nicht mehr so verstaubt wie vorher und erhöht hier und da auch die Nützlichkeit. Ordner statt Kategorien und die prominentere Platzierung der Suche sind gelungene Neuerungen.

Bleibt noch die Preisdiskussion. Immer mehr Produktivitätsapps nutzen ein Abo-Modell, um nachhaltig Geld zu verdienen. GoodNotes setzt weiterhin auf einen Einmalpreis. Ob das ein tragfähiges Finanzierungsmodell ist, wird nur die Zukunft zeigen. Für Neukund*innen kostet die App im Appstore 8,99€ — sicherlich ein sehr fairer Preis. Noch fairer wird es, wenn man auf das Bundle-Angebot für Nutzer*innen der 4er-Version einbezieht. Hier wird der Preis für GoodNotes 5 nämlich mit dem bereits gezahlten verrechnet. Für mich waren es so nur 1 Euro Cent, da ich scheinbar für Version 4 7,99€ gezahlt hatte. So erfreulich diese Preispolitik für den*die Endverbraucher*in sein mag, so skeptisch bin ich, ob damit eine nachhaltige Projektfinanzierung möglich ist. Ich hoffe es sehr, da ich nicht auf die Software verzichten möchte.

Für den Moment soll mir das aber alles egal sein. GoodNotes 5 ist nicht perfekt, aber eine sehr gute App, die ich ohne zögern empfehlen kann.

2 Kommentare

  1. weshalb zeigt es auf dem Monitor in deutscher Sprache an,
    jedoch bei Ausdrucken ist alles in English ?????????????????

    bitte feed-back.

    Ich suche dringend eine Gebrauchsanleitung Gn 5 in deutsch.

    please help me

    1. Hallo Franz, was genau meinst du denn? Was ist erst auf deutsch und dann auf englisch? Ich kann das Problem leider gerade nicht nachvollziehen, aber wenn du es etwas ausführlicher schilderst, weiß ich vielleicht, was du meinst.

      Wegen der Gebrauchsanleitung kann ich leider nur auf das Support Forum von GoodNotes verweisen. Da ist aber leider alles auf englisch. Was für Fragen hast du denn?

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